Schlagwort: Literatur

  • Nur „Gründungsväter“ und keine „Gründungsmütter“?

    Nur „Gründungsväter“ und keine „Gründungsmütter“?

    Wo waren die Frauen bei der Gründung der Salzburger Festspiele?

    In der Geschichte politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Institutionen spiegeln sich – wie sollte es anders sein – die jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wider. Die Salzburger Festspiele stellen diesbezüglich keine Ausnahme dar. Wenn also in der Historiographie der Salzburger Festspiele nur von deren „Gründungsvätern“ Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt die Rede ist, darüber hinaus am Rande vielleicht noch Friedrich Gehmacher und Heinrich Damisch als Gründer der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde Erwähnung finden, dann entspricht diese ausschließliche Fokussierung auf Akteure einer gesellschaftlichen Realität, die heute befremdlich anmutet.1 „Gründungsmütter“ gab es tatsächlich keine, was aber nicht verwundern kann, da Frauen innerhalb der damaligen patriarchalischen gesellschaftlichen Strukturen die Mitwirkung an der Konstituierung von Vereinen, Parteien, Verbänden etc. in der Regel verwehrt blieb. In diesem Sinn sind die Salzburger Festspiele im Kontext ihrer Gründung ohne Zweifel ein patriarchalisches Konstrukt ebenso wie fast alle vergleichbaren Institutionen der damaligen Epoche. Daran änderte sich auch im Verlauf der folgenden Jahrzehnte nur wenig. Die Absenz von Frauen in den Leitungsgremien der Festspiele bestand letztlich bis in die jüngere Vergangenheit fort, sieht man von der nur kurz währenden Episode der Kooptierung einer Sängerin 1921 in die Direktion der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde einmal ab.2 Letztlich sollte es nach der Festspielgründung 75 Jahre dauern, ehe mit Helga Rabl-Stadler erstmals eine Frau an die Spitze des Festspielkuratoriums als Präsidentin berufen wurde.

    Die pauschale Annahme einer männerbündischen Verschwörung zum Ausschluss der Frauen vom Gründungsprozess der Festspiele erscheint dennoch abwegig. Allein schon der Umstand, dass sich die Gründung der Festspiele in einem langwährenden Prozess der wechselseitigen Annäherung von zwei in weltanschaulicher und künstlerischer Ausrichtung grundverschiedenen Festspielinitiativen vollzog, lässt den Verdacht einer derartigen Verschwörung als unbegründet erscheinen. Überdies waren Frauen de facto in allen Phasen des Geschehens in der einen oder anderen Weise präsent, zwar nur ausnahmsweise als einflussreiche Akteurinnen, vielfach aber als nützliche und hilfreiche Förderinnen des Festspielgedankens, wenn auch überwiegend im Hintergrund wirkend. Zudem standen Theater, Oper und Konzert, die Säulen des Kulturbetriebs im bürgerlichen Zeitalter, den Frauen gegenüber grundsätzlich offen, und auch in Salzburg waren Schauspielerinnen und Sängerinnen als Mitwirkende von Festspielveranstaltungen von Anbeginn präsent. Ebenso unverzichtbar waren Frauen naturgemäß als Teil des Publikums, womit sich das Bild von ausschließlich von Männern geprägten Festspielen zusätzlich relativiert.

    Im Folgenden sei der Versuch unternommen, die bislang nur selten und meist am Rande thematisierte Mitwirkung von Frauen am Gründungsprozess der Festspiele an einigen ausgewählten Beispielen nachzuzeichnen. Begonnen sei mit jener Frau, deren Einflussnahme den Gang der Entwicklung insofern entscheidend beeinflusste, als sie – konträr zu den Intentionen der Gründungsväter der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde – verhinderte, dass die Internationale Stiftung Mozarteum zur Trägerin der Festspielidee wurde.

    Die Bühnen von Theater und Oper boten Schauspielerinnen und Sängerinnen – insbesondere für Letztere bürgerte sich im späten 19. Jahrhundert die Bezeichnung „Diva“ ein − bekanntlich bereits vor dem Zeitalter der Emanzipation die Möglichkeit, in beruflich und gesellschaftlich herausragende Positionen aufzusteigen, wie sie in fast allen anderen Bereichen nur Männern vorbehalten waren.3 Ein Beispiel dafür ist Lilli Lehmann, damals eine der am meisten gefeierten Opernsängerinnen Deutschlands, die seit 1901 bei allen von der Internationalen Stiftung Mozarteum veranstalteten Salzburger Musikfesten als Interpretin mitwirkte, bei jenen von 1906 und 1910 darüber hinaus – was im zeitgenössischen Rahmen eine singuläre Ausnahme war − auch als Regisseurin und künstlerische Leiterin.4 Dank ihrer Vernetzung im internationalen Musikbetrieb gelang es ihr, zahlreiche renommierte Künstler des In- und Auslandes zur Mitwirkung zu gewinnen. Ihr Einfluss auf die Stiftung Mozarteum wurde daher mit jenem von Richard Wagners Witwe Cosima auf die Bayreuther Festspiele verglichen, weshalb man sie auch als „Salzburgs Cosima“5 bezeichnete.

    Die Devise „Mozart über alles“ kennzeichnete über mehr als zwei Jahrzehnte Lilli Lehmanns Aktivitäten im Umfeld des Mozarteums. Als einziges weibliches Mitglied des Stiftungs-Kuratoriums verstand es die Sängerin, die in Scharfling am Mondsee eine Villa besaß, ihren Einfluss in allen wesentlichen Mozarteums-Angelegenheiten geltend zu machen. Die regelmäßige Abhaltung von Musikfesten zählte seit 1901 zu Lilli Lehmanns Kernanliegen. Zugleich stand sie allen Plänen einer Ausweitung der Festspielidee nach dem Vorbild von Bayreuth strikt ablehnend gegenüber. Als Anhängerin eines kultivierten, jedoch puristischen Mozartkults lehnte sie insbesondere den Bau eines großdimensionierten „Mozart-Festspielhauses“ entschieden ab, welchen Friedrich Gehmacher, selbst Funktionär des Mozarteums, seit 1913 forcierte. Lehmann befürchtete nicht nur eine finanzielle Überbelastung des Mozarteums. Der Bau eines großen Operntheaters stand für sie per se im Widerspruch zu einem intimen Aufführungsstil, wie sie ihn als unabdingbar für Mozarts Opern hielt.

    Wenn schon ein Festspielhaus für notwendig gehalten werde, so teilte Lehmann es in der für sie typischen apodiktischen Ausdrucksweise ihrem Vertrauten, dem Musikwissenschaftler Rudolf von Lewicki, mit, dann dürfe ein solches zwar „neuen Ansprüchen“ gerecht werden, „durchweg aber nur für Mozartopern in kleinen intimen Räumen und Stile, ohne Reinhardtideen6 an Decorationen, Regie oder Comparserien“. Die Opern „der damaligen Zeit sollen das alte Gepräge der Intimität und die Sänger und Schauspieler bester Art [haben, diese] aber ohne jede verrückte [Schaudermärchen] in der Gesangskunst die Hauptaufgabe sehen“. Vor allem aber fordert sie, dass „Mozart die Kokarde7 bleiben“ müsse. „Und man soll gerade darin, daß man in Salzb. die Mozartopern in der alten, von Mozart gedachten Art beibehält, die Hauptattraktion erblicken und diese Art zum Stempel der Unternehmung machen.“8

    Der Streit zwischen Lehmann und Gehmacher, der vom Wiener Musikjournalisten Heinrich Damisch tatkräftig unterstützt wurde, eskalierte nach der von beiden im August 1917 vollzogenen Gründung der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde bis hin zur offenen Auseinandersetzung von Gegnern und Befürwortern der Festspielhausidee innerhalb des Kuratoriums der Stiftung Mozarteum. Nach Lilli Lehmanns Drohung, die Würde der Ehrenpräsidentin der Stiftung zurückzulegen, setzte sich die von ihr und von Lewicki geführte Fraktion im Kuratorium durch, was Gehmacher veranlasste, von seinen Funktionen zurückzutreten. Damit war der Bruch zwischen dem Mozarteum und der Festspielhausidee vollzogen.9 Wenn die Stiftung Mozarteum und die Salzburger Festspiele heute als zwei voneinander unabhängige Institutionen florieren, dann war diese langfristig bedeutsame Weichenstellung vor allem das Werk einer selbstbewussten Frau, der es im damaligen von Männern dominierten gesellschaftlichen Umfeld gelungen war, ihre Ansichten zur Geltung zu bringen und eine klare Entscheidung im Sinne einer getrennten Entwicklung von Mozarteum und Festspielen herbeizuführen, welche sich aus heutiger Perspektive langfristig durchaus bewährte.

    Mit der Gründung der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde am 1.8.1917 sollte die organisatorische Grundlage für die Beschaffung der Mittel zur Erbauung eines Festspielhauses und in weiterer Folge auch für die Abhaltung von Festspielen geschaffen werden. Die damit verbundenen Aufgaben erwiesen sich – von der Vereinsgründung an – als arbeits- und vor allem auch kostenaufwändig. Somit lag es nahe, dass Heinrich Damisch bereits im Vorfeld der Gründung des Vereins mit Einverständnis seines Salzburger Freundes Friedrich Gehmacher daran ging, für diese Idee in Wien einflussreiche und darüber hinaus auch wohlhabende Unterstützer und Förderer zu gewinnen, wobei – im Sinne des generischen Maskulinums − Frauen nicht nur mitgedacht, sondern willkommen waren, sofern von ihrer Mitwirkung ein praktischer, das heißt vor allem finanzieller Nutzen zu erwarten war. Da die Aufbringung der für die Errichtung eines Festspielhauses erforderlichen finanziellen Mittel das Vereinsziel war, ging es zunächst vor allem um die Anwerbung möglichst potenter „Gründer“ (oder „Stifter“), „Spender“ und „Förderer“ – so die Hierarchie der Vereinsmitglieder. Hier zeigte sich von Beginn der Vereinstätigkeit an, dass Frauen auf allen Ebenen vertreten waren – und zwar nicht nur in Verbindung mit dem Gatten, sondern vielfach eigenständig und mit durchaus beträchtlichen Summen. Bereits 1916 hatte Damisch die Beauftragung von zwei Industriellengattinnen mit „weiblicher Propaganda“ in Betracht gezogen.10 Wie groß der Anteil von Frauen unter den Mitgliedern der Festspielhaus-Gemeinde war, lässt sich aber nicht feststellen, da deren Zahl nicht gesondert ausgewiesen wurde, weder für den Gesamtverein noch dessen Zweigvereine und Ortsgruppen. In Summe hatte der Verein Ende 1921 immerhin mehr als 3.000 Mitglieder.11

    Die Direktion der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde, aufgenommen nach einer Direktionssitzung im Marmorsaal von Schloss Mirabell, 1919. Sitzend, v.l.n.r.: Friedrich Gehmacher, Karl Ritter von Wiener, Heinrich Damisch. Stehend, v.l.n.r.: Richard Tomaselli, Arthur Sacher, Franz Willvonseder, Sektionsrat Gustav Huber, Richard Mayr, Edwin Schurich, Emil Ronsperger, Georg Jung, Richard Wagner, Paul Hellmann, Arthur Schey. Archiv der Salzburger Festspiele / Foto: ohne Angabe

    Aktiv geworben wurde von Seiten des Vereins nicht nur um Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, also um Industrielle, Fabrikanten und Bankiers, von denen man sich die entscheidenden Impulse bei der Finanzierung des Festspielhausprojekts erhoffte. Ebenso wichtig erschien die propagandistische Unterstützung durch Persönlichkeiten des Kunstlebens, welche die Verbreitung der Festspielidee im In-und Ausland übernehmen sollten. Schon bald zeigte sich, dass eine Reihe von prominenten Sängern und Sängerinnen im Gegensatz zu ihrer Kollegin Lilli Lehmann der Errichtung eines Festspielhauses in Salzburg durchaus wohlwollend gegenüberstanden. Dabei fällt auf, dass es vor allem Sängerinnen waren, die eine aktive Unterstützung in Aussicht stellten. Damisch berichtete etwa im September 1917 seinem Freund Gehmacher: „Gestern abends habe ich mit Frau Kiurina-Leuer12 gesprochen; sie ist von unserer Idee begeistert und hat erklärt, daß sie da mit allen Kräften dabei sein wolle.“13

    Überaus positive Rückmeldungen von Künstlerinnen erreichten die Festspielhaus-Gemeinde auch auf Aufrufe und Anfragen, welche Anfang 1918 an Persönlichkeiten des Kunstlebens in Deutschland und Österreich weitergeleitet wurden. Sowohl die an der Berliner Hofoper wirkende Lola Artôt de Padilla14 als auch Hermine Bosetti15 von der Münchner Hofoper, beide renommierte Mozartinterpretinnen, würden, wie die Festspielhaus-Gemeinde stolz verkündete, „die Salzburger Initiative zur Errichtung eines Mozart gewidmeten ‚Österreichischen Festspielhauses […] auf das Freudigste‘ begrüßen“16. Wie sehr man gerade auf die Mitwirkung von Künstlern, und zwar beiderlei Geschlechts, bei der Verbreitung des Festspielgedankens baute, lässt sich einem Schreiben Damischs vom November 1919 entnehmen, in dem davon die Rede ist, dass der Wiener Zweig der Festspielhaus-Gemeinde erfolgreich dabei sei, Ortsgruppen der Festspielhaus-Gemeinde an allen Wiener Theatern ins Leben zu rufen. Und zwar würden „Frau Erika Wagner17 eine Ortsgruppe Deutsches Volkstheater“, der Sänger Richard Mayr18 eine „Ortsgruppe Staatsoper“, Frau Lucille Weingartner19 eine „Ortsgruppe Volksoper“ und „Herr Weingartner20 eine Ortsgruppe Wiener Philharmoniker“ gründen. Ob die geplanten Ortsgruppen tatsächlich gegründet wurden, scheint fraglich, denn weder der Vollzug einer Gründung noch der Nachweis einer Tätigkeit sind überliefert.

    Die Direktion der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde nach einer Direktionssitzung im Hof der Residenz, 1920. Sitzend, v.l.n.r.: Eugen Merkl, Edwin Schurich, Arthur Schey, Franz Willvonsender Stehend, v.l.n.r.: Richard Wagner, Arthur Sacher, Friedrich Gehmacher, Heinrich Damisch, Botschek, Hans Poelzig, Josef Ridler, Emil Ronsperger, Adolf Frank, Hartmann, Emanuel Jenal, Heinrich Clessin, Richard Tomaselli. Archiv der Salzburger Festspiele / Foto: ohne Angabe

    Sehr wohl überliefert ist männliches Lob für die hilfreiche weibliche Beteiligung an der Vereinsarbeit des Wiener Zweigvereins, etwa durch Heinrich Damisch: „Für regelmäßige, gute Wiener Musikberichte und wertvolle Artikel habe ich als ständige Mitarbeiterin Fräulein Hedwig Perger, die Tochter des verstorbenen Richard von Perger,21 gewonnen. Sie schreibt ausgezeichnet und ist ein sehr kluges und geschicktes Mädel.“ Oder: „Als werbende Kraft hat sich ein Mitglied des Zweigvereins Wien, Fräulein Valerie Tröthann, große Verdienste erworben und ihre unermüdliche Tätigkeit zur Gewinnung neuer Mitglieder kann als beispielgebend hingestellt werden.“22

    Nur ausnahmsweise wurde allerdings die Unterstützung einer Frau als derart wertvoll betrachtet, dass sich die Festspielhaus-Gemeinde zu einem außergewöhnlichen Schritt der Anerkennung entschied. Als die frühere, gefeierte Altistin der Wiener Hofoper, Frau Charles Cahier23, im Verlauf einer Konzertreise durch Skandinavien auf sämtlichen Programmen ihrer Konzerte einen Aufruf zum Beitritt in die Salzburger Festspielhaus-Gemeinde drucken ließ, daraufhin binnen kurzem als Erfolg ihrer Werbetätigkeit 34 Anmeldungen aus Schweden eintrafen und damit verbunden Mitgliedsbeiträge in kostbaren Devisen, kooptierte die ausschließlich männlich besetzte Direktion der Festspielhaus-Gemeinde die Sängerin 1921 ohne zu zögern in ihren Kreis.24 Auch wenn es keinen Beleg dafür gibt, dass Madame Charles Cahier – sie trat ausschließlich unter dem Namen ihres Gatten in Erscheinung − ihre Funktion jemals aktiv ausübte, so bleibt doch das Faktum, dass Frauen nicht nur als einfache Mitglieder der Festspielhaus-Gemeinde akzeptiert waren, sondern ihre Mitwirkung in den Leitungsgremien willkommen war, sofern man sich davon einen Nutzen versprach.

    Auch in der exklusiven Gruppe von Unterstützern der Festspielhaus-Gemeinde, welche dieser Spenden in inflationssicheren Währungen zukommen ließen, gab es einige Frauen. Zu diesen zählte die niederländische Sängerin Julia Bertha Culp (1880- 1970), die seit 1919 mit dem Wiener Großindustriellen Wilhelm Ritter von Ginzkey verheiratet war, der seit 1918 dem Vorstand des Wiener Zweigvereins und ab 1920 auch der Direktion der Festspielhaus-Gemeinde angehörte. Die Sängerin entfaltete 1921 bei ihrer Tournee durch Nordamerika eine rege Propaganda, wodurch es ihr gelang, die New Yorker „Beethoven Association“ zu veranlassen, der Festspielhaus-Gemeinde mit einem Stifterbetrag von 2000 Dollar beizutreten.25

    Auch Richard Strauss, selbst Mitglied des Kunstrats der Festspielhaus-Gemeinde und ab 1922 deren Präsident, gelang es 1921 bei seiner Tournee den Kontakt zu US-amerikanischen Mäzenen herzustellen. Im Dezember 1921 berichtete er voller Stolz nach Wien: „Ich habe hier ein großes Comitee für Salzburg in Bildung, an der Spitze die vortreffliche Mrs. Untermyer […] und hoffe Ihnen Dollars und gute Nachrichten mitzubringen.“26 Bei der von ihm erwähnten edlen Spenderin handelte es sich um Minnie Untermyer27, die Gattin des einflussreichen New Yorker Rechtsanwalts, politischen Beraters und Mäzens Samuel Untermyer (1858-1940).28 Diese war in kulturbeflissenen Kreisen der New York City durch ihr vielfältiges Engagement bekannt. Unter anderem hatte sie 1909 an der Spitze einer Gruppe wohlhabender New Yorker Bürger gestanden, welche das in die Krise geratene New York Philharmonic Orchestra auf ein stabiles finanzielles Fundament gestellt und Gustav Mahler als Chefdirigenten berufen hatte.29 Darüber hinaus setzte sie sich gemeinsam mit ihrem Gatten für das Frauenwahlrecht ein, wobei dessen juristische Fähigkeiten ebenso nützlich waren wie die beträchtliche finanzielle Unterstützung, die er diesen Initiativen gewährte.30 Angeregt durch Richard Strauss gründete Mrs. Untermyer ein Komitee, das innerhalb kurzer Zeit 4.000 Dollar für den Bau eines Festspielhauses in Salzburg aufbrachte und darüber hinaus 9.000 Dollar für die Wiener Oper sammelte, was für damalige Verhältnisse beträchtliche Summen darstellten.31 Auf Grund ihres Engagements wurden Minnie Untermyer und Richard Strauss auf der Generalversammlung der Festspielhaus-Gemeinde am 13.8.1922 zu deren ersten Ehrenmitgliedern ernannt.32 Mrs. Untermyer nahm die Ehrung persönlich entgegen, besuchte bei den Festspielen auch eine Aufführung von Hofmannsthals Das Salzburger Große Welttheater, dessen Regisseur Max Reinhardt sie als „eine sehr kunstfreundliche und schöngeistige ältere Dame“ bezeichnete, die „von unserer Salzburger Aufführung ganz enthusiasmiert“33 gewesen sei. „In herzlicher Freundschaft“ widmete Richard Strauss der Mäzenin Drei Hymnen von Friedrich Hölderlin für eine hohe Singstimme und großes Orchester 34.

    Welche Rolle Frauen im alltäglichen Vereinsleben der Festspielhaus-Gemeinde zugedacht war, lässt sich insbesondere am Beispiel der Ortsgruppe Salzburg des Salzburger Zweigvereins zeigen. Der im Februar 1919 gewählte Vereinsausschuss bestand nämlich zur Hälfte aus Frauen, und es scheint, dass vor allem junge bürgerliche Damen – acht der elf weiblichen Ausschussmitglieder werden als „Fräuleins“ bezeichnet – hier ein Betätigungsfeld suchten. Auch der Vorstand der Ortsgruppe war paritätisch besetzt. Zwar gab es nur Obmänner und keine „Obfrauen“, aber als Kassiererin, Schriftführerin und Beirätin scheinen mehrheitlich Frauen auf.35 Auch der Vergnügungsausschuss war paritätisch besetzt, was insofern nicht verwundert, als sich das Vereinsleben und damit auch die Werbetätigkeit für das Festspielhaus-Projekt − wie den Tätigkeitsberichten zu entnehmen ist − hauptsächlich im Rahmen geselliger Veranstaltungen wie „Tanzkränzchen“, „Bunter Abenden“, „Familienkonzerten“ und Ausflügen abspielte, bei denen die Mitwirkung von Frauen unverzichtbar war.

    Max Reinhardt bei der Probe zur Inszenierung von Johann Wolfgang von Goethes Faust in der Felsenreitschule, 1936. © Archiv der Salzburger Festspiele / Photo Ellinger

    Dank der starken Beteiligung von Frauen, so kann man annehmen, stieg die Ortsgruppe Salzburg binnen kurzem zur mitgliederstärksten Teilorganisation der Festspielhaus-Gemeinde auf. Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung verzeichnete die Ortsgruppe 371 Mitglieder, im April 1920 waren es bereits 500. Aus dem Umstand, dass in der Folgezeit in der Vereinsstatistik nur mehr die Mitglieder zahlen des übergeordneten Zweigvereins Salzburg der Festspielhaus-Gemeinde ausgewiesen wurden, lässt sich schließen, dass es 1920 de facto zu einer Fusion der erfolgreichen Ortsgruppe mit dem Zweigverein kam. Mit 1.867 Mitgliedern übertraf dessen Mitgliederzahl im Dezember 1921 schließlich jene des konkurrierenden Zweigvereins Wien bei weitem, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die zahlenmäßige Stärke des Salzburger Zweigvereins nicht zuletzt auf einen hohen Frauenanteil unter dessen Mitgliedern zurückzuführen ist.36 Im Juli 1920 scheint man diesem Umstand insofern Rechnung getragen zu haben, als „die Damen Brandenstein37, Kutschera und Schrems in die Vereinsleitung“38 des Zweigvereins Salzburg der Festspielhaus-Gemeinde berufen wurden. Im darauffolgenden Jahr scheinen die genannten Damen allerdings nicht mehr in diesem Gremium auf. Als in den Jahren 1922 bis 1924 im Verlauf einer erbittert geführten Konfrontation zwischen dem Wiener und dem Salzburger Zweigverein um die Führung der Festspielhaus-Gemeinde und damit um die zukünftige Ausrichtung der Festspiele gerungen wurde, waren die Männer im Vorstand wieder unter sich.

    Die sprichwörtliche Redewendung, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau stehe, die ihm den Rücken freihalte, mutet heutzutage zu Recht als antiquiert an. Dennoch wird in der Literatur über Max Reinhardt vielfach auch heute noch der Eindruck vermittelt, dass die Rollen, welche Helene Thimig und GUSTI ADLER in dessen Leben spielten, diesem Klischee entsprechen würden, weil beide dem genialen und zugleich überaus sensiblen Regisseur sowohl im privaten als auch im künstlerischen Bereich tatsächlich „den Rücken frei“ gehalten hätten, soweit es ihnen möglich gewesen sei. Diese eingeschränkte Sicht wurde freilich, darauf sollte hingewiesen werden, von Helene Thimig und GUSTI ADLER selbst mitbegründet, die beide in ihren autobiographisch geprägten Lebensdarstellungen Max Reinhardts dazu tendieren, die eigene Bedeutung in aller Bescheidenheit zu minimieren.

    Helene Thimig. © Archiv der Salzburger Festspiele / Photo Ellinger

    In nüchterner Betrachtung ihres Wirkens wird jedoch deutlich erkennbar, dass beider Frauen Rolle im Gründungsprozess der Salzburger Festspiele durchaus relevant war und es als glückliche Fügung angesehen werden kann, dass beide gerade zu einem Zeitpunkt in Reinhardts Leben traten, als dieser das Salzburger Festspielprojekt in Angriff nahm. Die Schauspielerin Helene Thimig stand Reinhardt seit 1917 als Lebensgefährtin und engste Vertraute zur Seite, und sie war es auch, welche ihre Schulfreundin GUSTI ADLER, die sich bereits einen Namen als Feuilletonistin gemacht hatte, diesem im August 1919 als Privatsekretärin vermittelte.39 ADLER übernahm neben zahlreichen weiteren Aufgaben von nun an auch die briefliche Kommunikation Reinhardts mit Hofmannsthal, bei dem sie sich in der für sie charakteristischen bescheidenen Art, wie folgt, vorstellte:

    Wenn ich in den nächsten Monaten öfters im Auftrage von Herrn Professor Reinhardt an Sie zu schreiben haben werde, so möchte ich es nicht als völlig Unbekannte tun. Freilich sagt Ihnen mein Name, stelle ich mich als AUGUSTE ADLER vor, einstweilen noch gar nichts. Bestenfalls ergibt sich eine Gedankenverbindung zu Einem dieses Namens, der das Glück hatte, von vielen Menschen geliebt zu werden: mein Onkel Viktor Adler.40

    Der Anstellung GUSTI ADLERS war, wie sie selbst schildert, ein „ernstes Gespräch“ vorausgegangen, in dem ihr Max Reinhardt auseinandergesetzt habe, was er von seiner Privatsekretärin erwarten würde:

    Es war viel, aber bloß die Keimzelle späterer Wirklichkeit, denn das Schreiben von Briefen sollte nur der geringste Teil meiner Arbeit für ihn werden. Die Hauptaufgaben der nächsten Jahre waren Verhandlungen mit Behörden, Architekten und Theatern […] und vor allem selbstverständlich die Anwesenheit bei Proben, um Reinhardts Bemerkungen und Anweisungen festzuhalten.41

    Vor allem im Zuge der ersten Jahre ihrer Tätigkeit hielt GUSTI ADLER während Reinhardts langen Absencen die Stellung in Salzburg, wobei sie nach eigener Aussage „die volle Verantwortung für alles tragen“42 musste. Zu ihren Aufgaben zählten insbesondere die aufwändigen Verhandlungen mit der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde über sämtliche organisatorische Details der Festspielveranstaltungen sowie die Beaufsichtigung der Ausgestaltung von Schloss Leopoldskron und dessen Park, welche Reinhardt ein besonderes Anliegen war.

    Helene Thimig berichtet in ihren Erinnerungen, dass GUSTI ADLER so unentbehrlich gewesen sei, dass ihr selbst „ab und zu nichts anderes übrig“ geblieben sei, „als eifersüchtig zu sein“. Dem fügte sie freilich hinzu, dass „der Erfolg der Salzburger Festspiele nicht zuletzt auch“ GUSTI ADLERS „aufopfernder Tatkraft zu danken“ gewesen sei. Nur eines habe sie nicht gekonnt: „[…] den Freilichtaufführungen des ‚Jedermann‘ gutes Wetter besorgen“43. Der Ruf GUSTI ADLERS als „Graue Eminenz“ hinter Max Reinhardt scheint bereits zeitgenössisch so legendär gewesen zu sein, dass ihr im Februar 1936 das Neue Wiener Journal unter dem Titel Die Privatsekretärin. Karrieren hinter Schreibmaschen eine Laudatio widmete, in der es unter anderem hieß:

    Die ungemein gebildete, kultivierte und künstlerisch sehr begabte Frau liebt es absolut nicht, in die Öffentlichkeit zu treten. Bei den Festpremieren Max Reinhardts steht sie im dunkeln Hintergrund einer Loge, bei Empfängen auf Schloß Leopoldskron stellt sie die Liste der Gäste auf und unterstützt unauffällig Helene Thimig in ihren Hausfrauenpflichten. GUSTI ADLER ist sehr verschwiegen. Wenn der Professor ungestört bleiben will, so wird sie keiner Macht der Welt seinen Aufenthalt verraten.44

    Rudolf Kommer, Gusti Adler, Ernest de Weerth. Archiv der Salzburger Festspiele / Foto: ohne Angabe

    Auch Helene Thimig stellte sich, wenn auch unter anderen Auspizien, bedingungslos in den Dienst Reinhardts, der sie nicht nur bei all seinen Vorhaben ins Vertrauen zog, sondern sie wiederholt beauftragte, in seiner Abwesenheit mit wichtigen Ansprechpartnern wie etwa Richard Strauss oder Hofmannsthal diffizile künstlerische Fragen zu klären.45 Davon zeugt etwa ein Schreiben Thimigs an Hofmannsthal vom Mai 1922, in dem sie diesem in Vorbereitung der Uraufführung des Salzburger Großen Welttheaters bei den Salzburger Festspielen im August 1922 eine lange Liste von Reinhardts Änderungswünschen präsentiert, wobei sie sich diplomatisch darum bemüht, den damit verbundenen Arbeitsaufwand als keineswegs erheblich darzustellen, ohne letztlich aber die Entscheidungsfreiheit Hofmannsthals in Frage zu stellen: „Dann aber vor Allem: Alles was hier gesagt wurde, entspringt, wie Sie fühlen, ja blos R.’s [Reinhardts] Gepacktsein u. Ergriffenheit bei der Arbeit, denn er ist im Grunde doch natürlich durchdrungen davon, daß die Schönheit Ihres Werks in nichts tangiert wird, wenn Sie irgendwelche Widerstände, die Sie gegen neue Eingriffe haben könnten, hindern.“46

    Helene Thimig war in der Gründungsphase der Festspiele auf allen Ebenen präsent. Als Lebensgefährtin Reinhardts kam ihr – eher ungewollt − die Rolle der „Schlossherrin“ von Leopoldskron zu und damit jene der Gastgeberin bei Reinhardts prunkvollen Empfängen während der Festspielwochen. Als Schauspielerin wirkte sie bereits beim ersten Jedermann des Jahres 1920 sowie bei der Premiere von Hofmannsthals Das Salzburger Große Welttheater 1922 mit. Im Übrigen scheint sich mitunter eine Art von Arbeitsteilung mit GUSTI ADLER ergeben zu haben, denn auch Helene Thimig übernahm während längerer Abwesenheit von Reinhardt die Verwaltungsagenden von Schloss Leopoldskron sowie – wie der oben zitierte Brief an Hofmannsthal belegt – die Fortführung wichtiger Korrespondenzen. So berichtet sie über die Abwesenheit Reinhardts während dessen Gastspielreise nach Skandinavien im April und Mai 1923: „Während dieser Trennung lebte ich sehr einsam und zurückgezogen in Leopoldskron und erlebte zum ersten Mal so richtig, was es heißt, ein derartig großes Haus zu führen. Außerdem verbrachte ich nach alter Gewohnheit viele Stunden damit, täglich Briefe an Reinhardt zu schreiben.“47

    Last but not least sei im Kreis jener „starken Frauen“, die sich im Umfeld von Reinhardt und Hofmannsthal um die Gründung der Salzburger Festspiele Verdienste erwarben, die Schriftstellerin, Journalistin und Salonière Berta Zuckerkandl angeführt, deren literarischer Salon als Treffpunkt für Wiener Künstler und Intellektuelle berühmt war.48 Zuckerkandl machte sich unter dem Eindruck des Untergangs der Habsburgermonarchie Hofmannsthals Vision einer kulturellen Wiederaufrichtung Österreichs im Zeichen eines vom barocken Geist geprägten Gesamtkunstwerks zu eigen. Dieser sei, so berichtet sie, Anfang 1919 bei ihr erschienen und habe sie davon überzeugt, dass „Österreichs unwiederholbare Kultur“ gerettet werden müsse, und zwar auf folgendem Weg:

    Wir wollen die Perle österreichischer Städte, wir wollen Mozarts Vaterstadt, wollen Salzburg zum Symbol erheben. Max Reinhardt und ich wollen, nachdem das Reich politisch untergegangen ist, seine Seele unsterblich erhalten. Sie sollen unser Herold sein. In Ihrer Zeitung müssen Sie verkünden: ein Österreich lebt, das nie untergehen wird.49

    Berta Zuckerkandl zögerte nicht und veröffentlichte am 25.1.1919 in der Wiener Allgemeinen Zeitung unter dem Titel Das Erste einen flammenden Aufruf zur Errichtung eines Mozart-Festspielhauses in Salzburg: „Ein dem Göttlichsten geweihter Tempel, der im Hain von Hellbrunn50 sich erheben soll, als Sinnbild des unzerstörbaren Oesterreichertums, als Wahrzeichen unverwüstbarer Wesensart, Deutschösterreichs religiöses Weihebekenntnis.“51

    Berta Zuckerkandl erwies sich auch in weiterer Folge als unermüdliche Propagandistin der Festspiele. So fand sich am 3.2.1922 in ihrer Wohnung in der Oppolzergasse eine illustre Gesellschaft von 100 Gästen ein, darunter Hermann Bahr, Richard Beer-Hofmann, Arthur Schnitzler und Felix Salten, um Hofmannsthals Lesung des Salzburger Großen Welttheaters beizuwohnen.52 Voller Begeisterung verfasste sie nach der Uraufführung des Stücks im August 1922 gleich drei Rezensionen in der Wiener Allgemeinen Zeitung.53 Bis 1937 blieb Berta Zuckerkandl eine treue Besucherin der Salzburger Festspiele, und noch 1941 bemühte sie sich – von ihrem Exil in Algier aus – bei GUSTI ADLER in Kalifornien um die Übermittlung von Unterlagen über die Entstehung der Salzburger Festspiele, die sie für eine Neuauflage ihrer Memoiren zu verwenden gedachte.54

    Als Resümee dieser kleinen Abhandlung bietet sich somit die knappe Schlussfolgerung an, dass die Gründung der Salzburger Festspiele zwar im Kontext der damaligen patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen erfolgte und somit bis heute sehr wesentlich durch den Nimbus einiger weniger Gründungsväter geprägt erscheint. Bei einer genaueren Analyse des Geschehens zeigt sich freilich, dass Frauen – wie eigentlich nicht anders zu erwarten − in allen Phasen des Gründungsprozesses sehr wohl in der einen oder anderen Form aktiv am Gelingen dieses bis heute florierenden Projekts beteiligt waren und man einigen von ihnen wie etwa Helene Thimig, GUSTI ADLER und Berta Zuckerkandl mit einiger Berechtigung durchaus den Rang von „Gründungsmüttern“ der Festspiele verleihen könnte, sofern man einer derartigen Formulierung heute noch etwas abzugewinnen vermag.


    Anmerkungen

    1. Dieser einseitigen Sicht entgegenzuwirken war bereits die deklarierte Absicht der im Rahmen der Salzburger Festspiele stattfindenden Tagung „Als Frau bin ich mit Leidenschaft subjektiv; mit Begeisterung einseitig“ (Berta Zuckerkandl). Künstlerinnen bei den Salzburger Festspielen 1920-1937 auf Schloss Leopoldskron am 21.8.2019. ↩︎
    2. Siehe weiter unten. ↩︎
    3. Zum Begriff der „Diva“ vgl.: Hügel, Hans-Otto / Moltke, Johannes von: Diva. In: Hügel, Hans-Otto / Moltke, Johannes von (Hg.): Handbuch Populäre Kultur. Stuttgart: Metzler 2003, S. 159- 160. ↩︎
    4. Zu Lilli Lehmann vgl.: Cole, Rosamund: A Critical Study „of the Performance Style, Writing, and Directing of Lilli Lehmann (1848–1929). Würzburg: Königshausen & Neumann 2020; Kriechbaumer, Robert: „Salzburg hat seine Cosima.“ Lilli Lehmann und die Salzburger Musikfeste. Wien: Böhlau Verlag 2021. ↩︎
    5. Salzburger Chronik, 19.8.1912. ↩︎
    6. Bezieht sich auf Max Reinhardt und seine Inszenierungen. ↩︎
    7. Synonym für „Abzeichen“. Hier im Sinne von „Erkennungsmerkmal“ bzw. „Markennamen“ verwendet. ↩︎
    8. Lilli Lehmann an Rudolf von Lewicki, 21.9.1916. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg. Quellen und Materialien zur Gründungsgeschichte. Wien: Böhlau Verlag 2020, S. 198-199, S. 199. ↩︎
    9. Vgl.: Hoffmann, Robert: Abriss der Gründungsgeschichte der Salzburger Festspiele. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 57-66. ↩︎
    10. Vgl.: Heinrich Damisch an Friedrich Gehmacher, 24.8.1916. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 146-147, S. 147. ↩︎
    11. Vgl. Anm. 36. ↩︎
    12. Berta Kiurina (1888-1933), österr. Sängerin (Sopran), 1904 Debüt an der Wiener Hofoper, dort bis 1921 und 1926/27 engagiert. Gastspiele in Europa und 1928 in Buenos Aires. Auftritte bei den Salzburger Festspielen. Verheiratet mit Hubert Leuer. ↩︎
    13. Heinrich Damisch an Friedrich Gehmacher, 14.9.1917. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 281-282, S. 282. ↩︎
    14. Lola Artôt de Padilla (1876-1933), frz.-span. Sopranistin, die vor allem in Berlin wirkte. ↩︎
    15. Hermine Bosetti (d. i. Hermine von Flick, 1875-1936), dt. Sopranistin, 1901-24 an der Bayerischen Staatsoper ↩︎
    16. Stimmen zum Salzburger Festspielhaus, 9.3.1918. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 367-370, S. 368. ↩︎
    17. Erika Stiedry-Wagner (1890-1974), dt. Schauspielerin am Deutschen Volkstheater in Wien. ↩︎
    18. Richard Mayr (1877-1935), österr. Sänger (Bariton), Sohn einer Salzburger Gastwirtsfamilie, international erfolgreich u. a. bei den Bayreuther Festspielen sowie als Ochs auf Lerchenau in Richard Strauss’ Der Rosenkavalier. Sang regelmäßig bei den Salzburger Festspielen. ↩︎
    19. Lucille Marcel-Weingartner (1883 od. 1884-1921), US-amerikanische Opernsängerin, ab 1913 mit Felix Weingartner verheiratet. ↩︎
    20. Felix Weingartner (1863-1942), österr. Dirigent, Komponist, Pianist und Musikschriftsteller. ↩︎
    21. Richard von Perger (1854-1911), Dirigent, Komponist, Musikschriftsteller. ↩︎
    22. Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 3/1918, S. 64; Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 4/1918, S. 64. ↩︎
    23. Madame Charles Cahier, geboren als Sara Jane Layton Walker (1870-1951), US-amerikanische Lied-und Opernsängerin des frühen 20. Jahrhunderts. Sie wurde von Gustav Mahler an das k. k. Hof-Operntheater in Wien verpflichtet. Verheiratet mit dem schwedischen Impresario Charles Cahier. ↩︎
    24. Vgl.: Protokoll der Direktionssitzung, 21.2.1922. ↩︎
    25. Vgl.: Deutschösterreichische Tages-Zeitung, 22.5.1921. ↩︎
    26. Richard Strauss an Emil Ronsperger, 5.12.1921. Archiv Salzburger Festspiele: Abschrift eines Manuskripts. ↩︎
    27. Vgl.: Minnie Untermyer-Carl (1857-1924). https://mahlerfoundation.org/mahler/locations/america/ new-york-city/new-york-philharmonic-orchestra-npo/ (30.8.2023). ↩︎
    28. Vgl.: Hawkins, Richard A.: Progressive Politics in the Democratic Party. Samuel Untermyer and the Jewish Anti-Nazi Boycott. London: Bloomsbury Academic 2022. ↩︎
    29. Vgl.: Working to Restore and Enhance Untermyer Park and Gardens Yonkers, New York. https://www. untermyergardens.org/untermyer-history.html (16.3.2022). ↩︎
    30. Vgl.: Hawkins, Richard A.: Progressive Politics, S. 2. ↩︎
    31. Vgl.: Kröncke, Dietrich: Richard Strauss und die Juden. Jüdische Freunde, Dichter und Musiker. Wien: Hollitzer 1921, S. 121. ↩︎
    32. Vgl.: Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 5/1922, S. 11. ↩︎
    33. Max Reinhardt an Leo von Singer, 22.10.1922. Theatermuseum Wien: Nachlass Max Reinhardt, A 13474. ↩︎
    34. Kröncke, Dietrich: Richard Strauss und die Juden, S. 121. ↩︎
    35. Vgl.: Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 2/1919, S. 23-24. ↩︎
    36. Der Mitgliederstand betrug am 1.12.1921 3129, davon zählten 1867 zum Zweigverein Salzburg und 609 zum Zweigverein Wien. Der Rest gehörte den verschiedenen Ortgruppen an. Vgl.: Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 11/1921, S. 9. ↩︎
    37. Marianne von Brandenstein. ↩︎
    38. Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde 8/1920, S. 14. ↩︎
    39. Zu Gusti Adler vgl.: Fiedler, Leonhard: Nachwort. In: Adler, Gusti: …aber vergessen Sie nicht die chinesischen Nachtigallen. Erinnerungen an Max Reinhardt. München: Langen Müller 1980, S. 390- 398. ↩︎
    40. Gusti Adler an Hugo von Hofmannsthal, 21.9.1919. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 486-499, S. 496. (Viktor Adler (1852-1918) war der Gründer der Sozialdemokratischen Partei.) ↩︎
    41. Adler, Gusti: …aber vergessen Sie nicht die chinesischen Nachtigallen. Erinnerungen am Max Reinhardt, S. 13-14. ↩︎
    42. Ebd., S. 14. ↩︎
    43. Thimig-Reinhardt, Helene: Wie Max Reinhardt lebte. …eine Handbreit über dem Boden. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1975, S. 79. ↩︎
    44. Neues Wiener Journal, 16.2.1936. Zit. n.: Fiedler, Leonhard: Nachwort, S. 391. ↩︎
    45. Vgl.: Ebd., S. 110. ↩︎
    46. Helene Thimig an Hugo von Hofmannsthal, 7.5.1922. Kunsthistorisches Museum Wien: Theatermuseum Wien, Inv. Nr.: HS_AM13579Re. ↩︎
    47. Thimig-Reinhardt, Helene: Wie Max Reinhardt lebte, S. 111. ↩︎
    48. Berta Zuckerkandl-Szeps (1864-1945). Vgl.: Fetz, Bernhard: Eine Fahne für die Kunst! Eine Fahne für Österreich! Berta Zuckerkandl als Publizistin und Memoirenschreiberin. In: Fetz, Bernhard (Hg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay 2018, S. 191-211. ↩︎
    49. Szeps-Zuckerkandl, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939, S. 264. ↩︎
    50. Im Original irrtümlich „Hellerau“. ↩︎
    51. Zuckerkandl, Berta: Das Erste. Ein Wort zum Mozart-Festspielhaus. In: Hoffmann, Robert (Hg.): Festspiele in Salzburg, S. 457-458. ↩︎
    52. Vgl.: Zuckerkandl, Berta: Österreich intim. Erinnerungen 1892-1942. Wien: Amalthea 1981, S. 147; zur Datierung des Termins der Lesung vgl.: Christiane von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 28.1.192[2]. https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02374.html? (18.9.2023). ↩︎
    53. Vgl.: Fetz, Bernhard: Eine Fahne für die Kunst!, S. 209. ↩︎
    54. Vgl.: Gusti Adler an Berta Zuckerkandl, 2.9.1941. Österreichische Nationalbibliothek: Österreichisches Literaturarchiv, Sign. 405/B1 bis B1-Beil. ↩︎

    ROBERT HOFFMANN

    Studium der Geschichte in Salzburg und Zürich. Lehrte bis zu seiner Pensionierung neuere und österreichische Geschichte am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg. Er forscht und publiziert u.a. zur Gesellschafts-, Kultur- und Zeitgeschichte Salzburgs, Geschichte des Bürgertums in der Habsburgermonarchie, Tourismusgeschichte sowie Geschichte des Wohn- und Siedlungswesens. Der Schwerpunkt seines Forschungsinteresses liegt derzeit bei der Gründungsgeschichte der Salzburger Festspiele.

  • Zumutungen

    Zumutungen

    Die Wut, die bleibt. MAREIKE FALLWICKLS Roman, 2023 für die Bühne des Salzburger Landestheaters adaptiert,1 verhandelt ein brandaktuelles und zugleich sehr altes Thema: die Zumutungen, die eine patriarchale Gesellschaftsordnung für Frauen2 bereithält und vielfältige Formen des Widerstands dagegen. Nicht nur auf Salzburgs Bühnen, sondern weltweit sind Frauen und Transgenderpersonen gegenwärtig mit Diskriminierung, Überforderung, Ausbeutung und Gewalt konfrontiert und kämpfen auf vielfältige, oft originelle Weise gegen verschiedene Ausprägungen asymmetrischer Macht- und Geschlechterverhältnisse an. 

    In Salzburgs Straßen etwa machen seit 2020 bunte Kreidezeichen im öffentlichen Raum sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Transgenderpersonen sichtbar. Der Übergriff wird an dem Ort, an dem er stattfand, von Aktivist*innen mit Kreide in wenigen Worten beschrieben und gleichzeitig unter dem Hashtag #catcallsofsalzburg und #ankreiden in den sozialen Medien thematisiert. Es geht um sexualisierte Gewalt, um Belästigungen auf der Straße, die sich gemeinhin der öffentlichen Wahrnehmung entziehen und durch die Aktion vor Ort ins „Licht der Öffentlichkeit“ gerückt werden sollen. Zeitgleich wird mit der Aktion öffentliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien adressiert.3

    Öffentlichkeit und Privatheit haben sich im 21. Jahrhundert grundlegend verändert und ausdifferenziert. Damit haben sich auch die Formen patriarchaler Gewaltausübung und politischen Handelns gewandelt. Viele rechtliche und politische Diskriminierungen von Frauen konnten in langen Prozessen politischer Ausverhandlung während der letzten 200 Jahre beseitigt werden. Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz, die Zuweisung aller Sorgepflichten an Frauen, Mehrfachbelastung, ungleiche Lohn- und Einkommensverhältnisse, Kriminalisierung von Abtreibung und die Normierung und Optimierung insbesondere des weiblichen Körpers sind im 21. Jahrhundert unter Chiffren wie „MeToo“, „Care-Arbeit“, „My Body my Choice“ oder „Gender-Pay Gap“ nach wie vor offene „Baustellen“ des Kampfes von Frauen in demokratischen und autokratischen Gesellschaften des globalen Nordens.

    Im Folgenden werde ich ausgewählte Schauplätze der zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogenannten „Frauenfrage“ skizzieren, wie sie sich für Salzburg in den 1920er Jahren darstellen. Mikro- und makrogeschichtliche Kontext-Splitter werden dabei mit ausgewählten Stimmen von historischen Akteur*innen kombiniert. Der Fokus liegt auf der Stadt Salzburg, deren gesellschaftliche Dynamiken mit jenen der Landgemeinden eng verbunden waren. Andererseits waren die regionalen Besonderheiten der Salzburger Landgemeinden für die Erfahrungen und Normierungen historischer Akteur*innen (z.B. Bäuer*innen, Kleinhäusler*innen, Dienstmägde) ebenfalls bedeutsam. Ich werde einige der im Titel meines Beitrages angesprochenen Zumutungen benennen und die oftmals erfolgreichen Kämpfe von Frauen für die Veränderung jener geschlechterpolitischen Verhältnisse beschreiben, die die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und damit auch das gesellschaftliche Klima der Gründungsphase der Festspiele prägten. 

    Die Salzburger Festspiele nahmen mit der Aufführung des Jedermann von Hugo von Hofmannsthal in der Regie von Max Reinhardt am 22.8.1920 ihren Betrieb auf. Ebenfalls im August 1920 trafen sich in Salzburg Nationalsozialist*innen des gesamten deutschen Sprachraums und erklärten das Hakenkreuz zum offiziellen Banner der NSDAP.4 Das Bürgertum in Salzburg war bereits seit dem 19. Jahrhundert stark deutschnational geprägt5. Der damit verbundene Antisemitismus wirkte auch in den frühen Jahren der Republik weiter, ja verschärfte sich nach Kriegsende ab 1918 noch deutlich. Der Antisemitismus war bereits im späten 19. Jahrhundert durchaus auch als kultureller Code wirksam, der deutlich machen sollte, welche ideologische, politische, moralische Position und Identität im gesellschaftlichen Leben eingenommen und repräsentiert werden sollte. Seit den 1880er Jahren kam es zum sukzessiven Ausschluss von Jüd*innen aus bürgerlichen Vereinen wie dem Deutschen Schulverein, dem Salzburger Turnverein oder dem Österreichischen Alpenverein. Mattsee oder St. Johann im Pongau bezeichneten sich 1921 als „judenfreie“ Tourismusgemeinden und versprachen sich damit wohl „Wettbewerbsvorteile“ in Hinblick auf die deutschnational eingestellten Gäste.6 Der „Sommerfrischen-Antisemitismus“ in Salzburg ähnelte dem „Bäder-Antisemitismus“ in vielen Badeorten an der Ost- und Nordsee7. Beides waren spezifische und von konkurrierenden Interessen und Akteur*innen getragene Formen des Antisemitismus, bei denen es um die räumliche Ausgrenzung von Jüd*innen im sozialen und wirtschaftlichen Feld des neu entstandenen touristischen Komplexes ging. Der in Salzburg überwiegend katholisch grundierte Antisemitismus traf die zumeist bürgerlichen, jüdischen Sommer-Gäste aus Wien ebenso wie die in Salzburg Stadt Lebenden (oft Assimilierten) oder die nach 1918 aus Galizien geflüchteten, großteils armen, orthodox und traditionell lebenden Jüd*innen. Die wenigen Wohlhabenderen unter ihnen lebten aufgrund der Anfeindungen und Ausschlüsse von der bürgerlichen Gesellschaft Salzburgs weitgehend isoliert.

    Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt. Salzburger Festspiele, Inszenierung: Jorinde Dröse, 2023. Plakat. Salzburger Festspiele / Kerstin Schomburg

    Die unmittelbaren Nachkriegsjahre waren für große Teile der Bevölkerung der jungen Republik und auch der Stadt Salzburg von Hungererfahrungen, Entbehrung und Mangel geprägt. Feindbilder waren nachgefragt und Vorurteile stark verbreitet. 1923 wurde eine Geburtstagsfeier für Sarah Bonyhadi, Präsidentin des Israelitischen Frauenvereins, in Salzburg aufgrund befürchteter Störaktionen vom Kurhaus ins Hotel Bristol verlegt. Die mehr als 100 Gäste des wohltätigen Israelitischen Frauenvereins wurden allerdings auch dort von einer Gruppe von Nationalsozialisten bedroht, die vergeblich versuchte, ins Hotel einzudringen.8 Sarah Bonyhadi, die mit dem wohlhabenden Lederhändler und Versicherungsagenten Daniel Bonyhadi verheiratet war, neben ihren vielfältigen sozialen und wohltätigen Aktivitäten auch zwei Söhne großzog und ihre Mutter im gemeinsamen Haushalt betreute, starb im Mai 1931 im 67. Lebensjahr in Salzburg. Sie ist das einzige Familienmitglied einer großen Salzburger Familie, dessen Grab sich heute auf dem jüdischen Friedhof in Salzburg-Aigen befindet.9

    Anfeindungen und antisemitische Ressentiments einer breiten Bevölkerungsschicht richteten sich in den frühen 1920er Jahren auch gegen die Salzburger Festspiele, die „mitten in den Nachkriegshunger hinein“ gegründet worden waren und verbreitet als antisemitisch aufgeladenes Sinnbild für Dekadenz und „Verkommenheit“ der Metropolen Wien und Berlin fungierten.10 Provinzialismus, Ressentiments und die Enge eines katholisch-religiös, national und antimarxistisch geprägten gesellschaftlichen Lebens in der Stadt Salzburg traf insbesondere Frauen, die ein autonomes Leben und Arbeiten anstrebten. Viele, denen es möglich war, verließen – das gilt seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart – Salzburg in Richtung Wien oder Berlin, um den Beschränkungen des Lebens in der provinziellen Kleinstadt zu entkommen. Die Schriftstellerin und bedeutende Vorkämpferin für Frauenrechte in Salzburg Irma von Troll-Borostyáni hatte das konservative gesellschaftspolitische Klima der Stadt in einem Brief vom 12.3.1892 an die spätere Mitbegründerin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins Auguste Fickert bereits Ende des 19. Jahrhunderts eindrücklich beschrieben: Sie sei gern bereit, einen frauenpolitischen Aufruf zu unterzeichnen, sehe aber wenig Chancen, dass dieser im redaktionellen Teil einer Salzburger Zeitung veröffentlicht würde, zudem fürchte sie auch, „dass unter den Kreisen der hiesigen Bevölkerung der Sache sehr wenig Interesse entgegengebracht werden dürfte. Die Salzburger Frauenwelt (ich verkehre mit niemandem, aber ich kenne sie) ist teils entschieden gegen die Frauenemanzipation teils furchtbar lethargisch“11.

    Drei Jahrzehnte nach Troll-Borostyáni verließ auch die aus einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie in Salzburg stammende Grete Weiskopf als 17-jähriges Mädchen die Stadt Salzburg zunächst nach Innsbruck, ging 1925 weiter nach Berlin, wo sie als Journalistin und Kinderbuchautorin unter dem Pseudonym Alex Wedding mit großem Erfolg publizierte, ein gewählter Künstler*innenname, der die Sehnsucht und Verbundenheit mit Berlin und der Arbeiter*innenschaft ausdrückte, die am Alexanderplatz und in Wedding ihre zentralen Orte fand.12 Als Jüdin und Kommunistin war Grete Weiskopfs Leben von politisch erzwungenen Emigrationen nach Prag, in die USA und schließlich 1953 nach Berlin-Ost geprägt.

    An sie erinnert, wie auch an Irma Troll-Borostyáni, eine von 17 Gedenktafeln, die als Projekt „Frauenspuren“ von dem Frauenbüro der Stadt Salzburg realisiert und 2021/22 von der Literaturwissenschafterin Christa Gürtler und der Historikerin Sabine Veits-Falk rekonfiguriert und erweitert wurde.13 Gedenken und öffentliche Sichtbarmachung von „bedeutenden“ Frauen sind in Salzburg weiterhin politische Praxis und bleiben in Bewegung. Auch symbolische Anerkennungsformen sind Produkt gesellschaftlicher und politischer Aushandlungsprozesse, jedenfalls aber auch das Ergebnis des langen und erfolgreichen Kampfes von Frauen unterschiedlicher politischer Orientierung um Anerkennung und Sichtbarkeit.

    Akteur*innen der Internationalen Frauenbewegungen haben seit dem 18. Jahrhundert über soziale Klassen und nationale Grenzen hinweg in vielen Bereichen der Gesellschaft sukzessive politische Rechte sowie ökonomische und juristische Gleichstellung erkämpft. Die Durchsetzung des Rechts auf politische Teilhabe, das „Frauenwahlrecht“ und die Erkämpfung des Rechts auf Bildung, der „Zugang zu Höheren Schulen und Universitäten“, lag zum Zeitpunkt der Gründung der Salzburger Festspiele nur wenige Jahre zurück. Der Prozess der langsamen Ausweitung der politischen Teilhabe war im Salzburger Landtag so wie auch auf gesamtstaatlicher Ebene seit Ende des 19. Jahrhunderts von paradoxen Entwicklungen gekennzeichnet.

    Während in der Monarchie die Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess nicht grundsätzlich an das Geschlecht, sondern an Besitz und Steuerleistung gebunden war, also privilegierte Frauen in den drei Wählerklassen (Großgrundbesitz, Städte und Märkte, Landgemeinden) ab der Konstituierung der Landtage 1861 zur Stimmabgabe zugelassen waren, wurde mit der Erweiterung der politischen Mitbestimmung von Männern, im Sinne eines allgemeinen Wahlrechts, die Zulassung von Frauen zum Wahlrecht zunehmend beschnitten. Im Salzburger Landtag war, anders als in Oberösterreich oder Niederösterreich, die Stimmabgabe von sogenannten „Frauenspersonen“ ab 1868 nur durch einen Bevollmächtigten möglich.14 Mit der Einführung des „Allgemeinen Wahlrechts“ im Jahr 1907, das die sozialen Zugangsbeschränkungen aufhob und auf der Idee des Wahlrechts als Grundrecht für jedes Individuum gründete (das offensichtlich als männlich und weiß gedacht wurde), wurden Frauen auf Grund ihres Geschlechts generell vom Wahlrecht ausgeschlossen.15 Erst 1918/19 – und damit im Zuge der Konstituierung der Ersten Österreichischen Republik – waren alle Staatsbürger*innen wahlberechtigt. Ausgenommen blieben bis 1923 die Prostituierten, also eine Gruppe von Frauen, die seit dem 19. Jahrhundert im Mittelpunkt zahlreicher kultureller Mythisierungen und öffentlicher Debatten stand, aber gleichzeitig vielfachen Diskriminierungen ausgesetzt war. Staatliche, kirchliche, medizinische, literarische und auch frauenbewegte Diskurse verhandelten in der Prostitutionsdebatte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sich wandelnde Vorstellungen von Sexualität, Intimität und Moral bzw. „Sittlichkeit“. Die Internationalen Frauenbewegungen nahmen seit dem 19. Jahrhundert, und das gilt auch für die sogenannten „Neuen Frauenbewegungen“ der 1960er und 1970er Jahre bis heute, zum Thema Prostitution durchaus kontroversielle ideologische Standpunkte ein, die von der Forderung nach einem Prostitutionsverbot bis hin zur gesellschaftlichen Anerkennung des Prostitutionsgewerbes reichen.16 In den 1920er Jahren jedenfalls wurde auch innerhalb der Frauenbewegungen noch primär „über“ und nicht „mit“ Prostituierten gesprochen. „Sexarbeiter*innen“, wie Prostituierte sich ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbst nannten, waren in den 1920er Jahren in Österreich noch nicht über Vereine oder Interessensvertretungen organisiert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beanspruchte insbesondere der bürgerliche und radikale Flügel der Frauenbewegung – Irma Troll-Borostyáni war ein berühmtes Beispiel – für sich, die Interessen der zumeist aus sozial schwachen Schichten stammenden Frauen zu vertreten. In der Schrift Die Prostitution ist kein notwendiges Übel argumentierte Troll-Borostyáni bereits 1884 polemisch gegen ein von patriarchaler Doppelmoral gekennzeichnetes Weiblichkeitsbild, das Frauen in der Prostitutionsdebatte – aber auch darüber hinaus – kulturell und sozial in „Heilige“ und „Huren“ spaltete:

    Wenn ihr aber die Behauptung aufrechterhalten wollt, daß die durch moralischen Zwang vollendete Schändung der Frauen eine Bedingung für die Existenz des männlichen Geschlechts ausmacht, daß die Prostitution ein notwendiges Übel ist wie der Krieg und man käufliche Dirnen braucht wie Soldaten, dann existiert diese Notwendigkeit für alle, dann fordert die Gerechtigkeit, daß ihr Männer Euch bereit erklärt, Eure Mutter, Tochter, Schwester, Eure eigene Frau dieser Notwendigkeit zum Opfer zu bringen; dann müßt ihr eine allgemeine Prostitutionspflicht einführen für das weibliche Geschlecht, wie wir eine allgemeine Wehrpflicht haben für das männliche.17

    Die Prostitutionsdebatten zur Jahrhundertwende und in der Ersten Republik sind für Wien, aber auch für andere Städte der Monarchie und der Ersten Republik in der historischen Forschung bereits gut aufgearbeitet. Allen Studien gemeinsam ist, dass die Perspektive der Frauen, die als Prostituierte arbeiteten, in den Quellen – zum Beispiel in Gerichtsakten – nur sehr bedingt rekonstruierbar ist. Das privat geführte Prostitutionsgewerbe in Salzburg lag um 1900 vorwiegend in weiblicher Hand.18 Zum einen gab es überwiegend junge Frauen, die zuvor häufig als Dienstmädchen gearbeitet hatten oder nur zum Schein als Dienstbotinnen angestellt worden waren, zum anderen die sogenannten „Kupplerinnen“, die schon älter waren und meist zuvor selbst als Prostituierte tätig gewesen sind. Beide Gruppen gehörten häufig sozial und finanziell schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen der Stadt Salzburg an.19 Prostituierte waren jedenfalls bei den Landtagswahlen in Salzburg am 6.4.1919, bei denen Frauen* erstmals das unbeschränkte aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, von der politischen Teilhabe ausgeschlossen. Als neue Wählerinnen wurden Frauen* in den frühen 1920er Jahren von den wahlwerbenden Parteien auch in Salzburg intensiv umworben, zumindest zwei weibliche Abgeordnete waren nach der Wahl erstmals im Salzburger Landtag vertreten, eine Sozialdemokratin und eine Abgeordnete der Großdeutschen Volkspartei. Die stärkste Partei im Landtag und vermutlich auch bei der Gunst der Wählerinnen,20 die Christlich-Sozialen, blieb im Salzburger Landtag weiterhin frauenlos.21Die Beteiligung der Frauen an der Wahl zur Nationalversammlung am 16.2.1919 lag bei 82 %, und sie stellten mit 52 % die Mehrheit der Wähler*innen.

    100 Jahre später, am 8. und 9.3.2019, fand im Haus der Stadtgeschichte in Salzburg eine mit hochkarätigen Wissenschaftlerinnen besetzte Jubiläums-Tagung statt.22 Der gegenwärtigen Präsenz von Frauen im Wissenschaftsbetrieb ging ein langer Kampf der historischen Frauenbewegungen um Zugang zur Bildung voraus. In Österreich konnten Frauen erst seit 1896 ein Universitätsstudium an einer philosophischen Fakultät beginnen, der Zugang zu den anderen Fakultäten wie etwa zu den Technischen Hochschulen wurde ihnen erst nach dem Ersten Weltkrieg eröffnet. Mit Erlass vom 7.4.1919 durften Frauen endlich auch an Technischen Hochschulen inskribieren – allerdings nur, soweit sie „ohne Schädigung und Beeinträchtigung der männlichen Studierenden nach den vorhandenen räumlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen der einzelnen Hochschulen Platz finden können“23.

    Was seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als „Frauenfrage“ bezeichnet, als „Frauenemanzipation“ abgewertet oder auch propagiert wurde, prägte das gesellschaftliche und kulturelle Klima der 1920er Jahre entscheidend mit. Auch für die alltäglichen Erfahrungen von Frauen unterschiedlicher Herkunft, generationaler, sozialer, nationaler und religiöser Zugehörigkeit war die gesellschaftliche Teilung in öffentliche und private Räume, wenn auch in verschiedener Weise, wichtig. Die dichotomen Vorstellungen der Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit hatten sich seit dem 18. Jahrhundert grundlegend mit normativen Bildern von Männlichkeit und Weiblichkeit verknüpft und bildeten damit ein wesentliches Fundament der patriarchalen Struktur des bürgerlichen Liberalismus. Die Zuständigkeit für die vielfältigen, alltäglichen Aufgaben, für die Haus- und Sorgeverantwortung wurde Frauen „wesensmäßig“ und naturrechtlich begründet zugeschrieben. Hausarbeit und ein großer Teil der Sorgearbeit wurde in diesem Prozess als Nicht-Arbeit und damit als nicht entlohnt definiert wie auch in ihrer systemrelevanten und wertschöpfenden Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft systematisch ausgeblendet.

    Mit der Herausbildung der kapitalistischen Industriegesellschaft und der Nationalökonomie als Wissenschaftsdisziplin setzte sich eine hierarchische Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern durch und verankerte sich daraufhin in vielen gesellschaftlichen Feldern institutionell.24 Das bürgerliche Familienmodell („Mann – Ernährer“/ „Frau – Mutter und Hausfrau“) wirkte zunehmend sowohl als Idealbild wie auch als Norm, wenn auch ein großer Teil der Bevölkerung bis in die 1950er Jahre keineswegs nach diesem Modell oder seinen kleinbürgerlichen Varianten leben konnte oder wollte. In bürgerlichen Haushalten waren nach 1918 Dienstmädchen häufig nicht mehr leistbar. Bürgerliche Hausfrauen waren teilweise gezwungen, den Haushalt selbst zu übernehmen. Für Hausgehilfinnen bedeutete der Anstellungsverlust oft auch Wohnungslosigkeit (arbeitslose Dienstmädchen waren bis in die 1930er Jahre von der Sozialversicherung ausgeschlossen).25 Berta Pflanzl, die mit dreizehn Jahren als Vollwaise in Salzburg in den häuslichen Dienst treten musste, erinnert sich in ihrem Tagebuch an die patriarchal geprägte, bürgerliche Doppelmoral ihrer Dienstgeber:

    Die Männer sahen mich schon mit vielsagenden Blicken an und ich freute mich in meiner so großen Bescheidenheit und Armut, wenn sie mir sagten, ich sei hübsches Mädl und ich bräuchte nicht arbeiten, ich könnte ein schönes Leben bekommen etc. Viele wollten mich auf ihre Seite bekommen auf diese Art, diese Bestien glaubten, wenn man arm ist, kann man auch moralisch minderwertig sein, aber sie täuschten sich alle.26

    Die katholische Frauenbewegung engagierte sich bei der Gründung einer Interessensvertretung für die große Gruppe der weiblichen Hausangestellten, die mit nicht regulierten Arbeitsbedingungen häufig mit sexueller Gewalt und den täglichen Zumutungen ihrer Arbeitgeber*innen konfrontiert waren. Der Reichsverband der christlichen Hausgehilfinnen wurde 1909 gegründet und setzte sich für die Einführung eines Dienstvertrags für Hausgehilf*innen ein, was 1920 mit dem sogenannten „Hausgehilfengesetz“ auch gelang. Das Gesetz trug wesentlich zur rechtlichen Absicherung von ca. 400.000 mehrheitlich weiblichen Personen in Österreich bei (Entlohnung, Arbeitszeitregelung und Altersversorgung). Auch in Salzburg wurde etwa ein Heim für pensionierte Hausgehilf*innen errichtet. Die Arbeiterbewegung – insbesondere die sozialistische Frauenbewegung – versuchte sich, wenn auch eher halbherzig,27 an alternativen Wohn-Modellen, die zur „Befreiung der Frau von der Hausarbeit“ hätten führen können. Das Einküchenhaus, das auf die sozialistischen Akteur*innen der Frauenbewegung Lily Braun und Therese Schlesinger zurückging,28 war zunächst als Wohnform für berufstätige und alleinstehende Frauen projektiert. Während in Wien zwei Einküchenhaus-Projekte namens Heimhof realisiert wurden (das erste wurde von Auguste Fickert initiiert),29 gab es in Salzburg Stadt kein vergleichbares alternatives Wohnmodell.

    Gegenwärtig hingegen haben die hohen Mietpreise in der Stadt Salzburg wohl nicht nur zum Wahlerfolg der Kommunistischen Partei mit einem zweistelligen Ergebnis im April 2023 beigetragen, sondern auch zur Realisierung der Wohnfabrik, eines alternativen und kollektiven Wohnprojektes unter dem Dachverband habiTat geführt, der auch in Innsbruck, Linz und Wien seit einigen Jahren selbstorganisierte Wohnformen jenseits traditioneller Familienmodelle und des kapitalisierten Wohnungsmarktes betreibt. Die Wohnfabrik in Salzburg ist kein dezidiertes Wohnmodell für Frauen, auf der Homepage wird jedoch transparent gemacht, dass die Auswahl der Mitbewohner*innen von der De-Privilegierung weißer, heterosexueller Männer geprägt ist.30

    Zur Gründungzeit der Salzburger Festspiele in den frühen 1920er Jahren war die Ehe als Versorgungsmodell wohl das Idealbild eines Großteils aller in Österreich lebenden Frauen. 1934 allerdings lebten, wie Ellmauer und Kirchmayr anhand der Volkszählung aufgezeigt haben, nur 45,7 % der weiblichen Bevölkerung im heiratsfähigen Alter im gesamten Land Salzburg in einer ehelichen Beziehung.31 In den 1920er Jahren war es für Katholik*innen, anders als für Jüd*innen und Protestant*innen, nach wie vor nicht möglich, eine reine Zivilehe nach dem ABGB zu schließen. Eine „Trennung von Tisch und Bett“ war von der Kirche geduldet, die Scheidung einer ehelichen Verbindung hingegen nicht.

    Die Einspruchsmöglichkeiten der Kirche machten eine Wiederverheiratung nach einer Trennung von Tisch und Bett unmöglich. Der sozialistische Landeshauptmann von Niederösterreich und Wien, Albert Sever, versuchte unter Ausnutzung einer Gesetzeslücke des ABGB, diese Situation zu umgehen und so geschiedenen KatholikInnen eine Wiederverheiratung möglich zu machen. Als Landeshauptmann hatte er laut ABGB die Möglichkeit, eine Dispensation – also eine Freisprechung – von bestehenden Ehehindernissen auszusprechen. Was diese Ehehindernisse sein können, war im ABGB nicht näher definiert, Sever fasste auch ein bestehendes katholisches Eheband darunter. Er konnte die Dispense allerdings nur für Bürger der Länder aussprechen, in denen er Landeshauptmann war – Salzburger und Salzburgerinnen, die eine so genannte „Sever-Ehe“ schließen wollten, mussten zuvor nach Wien oder Niederösterreich übersiedeln.32

    Das kirchlich dominierte Eherecht wurde also in der Ersten Republik regional durchaus unterschiedlich gehandhabt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Eherecht modernisiert und vereinheitlicht. Die Scheidung wurde legalisiert, allerdings regelten die Nürnberger Rassengesetze die eheliche Partnerwahl nach rassistischem Prinzip, Ehen zwischen so genannten „arischen“ und „nichtarischen“ Personen waren damit ab 1938 verboten. In der Zweiten Republik haben sozialdemokratisch geprägte Eherechtsreformen der 1970er und 1990er Jahre die Rechte von Frauen in ehelichen Beziehungen zunehmend ausgebaut und den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Seit 1.1.2019 können auch gleichgeschlechtliche und queere Paare in Österreich standesamtlich heiraten.

    Erst ab den späten 1920er bis in die 1950er Jahre hatte sich das kleinbürgerliche Familienmodell langsam verbreitert und wurde in unterschiedlichen politischen und sozialen Kontexten und Regionen unterschiedlich wirksam. Die Zumutung der Doppelbelastung von Beruf, Haushalt und Familie traf damit im 20. Jahrhundert zunehmend den überwiegenden Teil aller Frauen*, die in Österreich leben.

    Anfang des 21. Jahrhunderts ist „Vollzeit-Mann“ / „Teilzeit-Frau“ das statistisch dominierende Modell der Arbeitsaufteilung bei heterosexuellen Paaren mit Kindern in Österreich, was sich nicht mehr primär dem Ernährer-Modell, sondern dem „gender pay gap“ und der anhaltenden Zuständigkeit von Frauen für alle Formen der Sorge-Arbeit verdankt.

    Der weibliche Körper war und ist – so auch in den 1920er Jahren – Austragungsort staatlicher, ideologischer, religiöser und kultureller Normierungen und Zumutungen, aber auch ein Schauplatz von Rebellion, Eigensinn und Widerstand von Frauen. Der soziale und moralische Druck der katholischen Kirche auf ledige Mütter war insbesondere am Land, gerade im konservativ-katholischen Salzburg besonders hoch, wie die Erinnerungen einer Dienstmagd, Jahrgang 1907, belegen:

    Damals ist auch noch der Brauch gewesen, dass man nicht in die Kirche hinein hat dürfen, wenn man ein lediges Kind gehabt hat. Sobald man vom Wochenbett aufgestanden ist, am Sonntag drauf hat man in die Kirche gehen müssen „Virisegnen“. Und da hat man vor der Kirchentüre niederknien müssen – da ist so ein Steinpflaster gewesen – und warten, bis der Pfarrer kommt, dich segnen. Dann hast du erst in die Kirche reingehen dürfen […] Ich hab mich so geschämt. Ich hab mir überhaupt nirgends hinzuschauen getraut. Aber dann hab ich mir gesagt: Ich bin nicht die einzige mit einem ledigen Kind, die da vor der Kirche warten muss, bis sie wieder reingehen darf.33

    Die Erinnerungen dokumentieren die Zumutungen, aber auch den Mut und das zumindest innere Aufbegehren von ledigen Müttern. Wenn Frauen ungewollt schwanger wurden, galt auch in den 1920er Jahren noch immer der Paragraph §144 des Strafgesetzbuches aus dem Jahr 1852, der Abtreibung als Verbrechen klassifizierte. Frauen fanden Wege, illegale Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen und riskierten dabei ihre psychische und physische Gesundheit, oftmals ihr Leben. Erst nach dem Ersten Weltkrieg und nach der Einführung des Frauenwahlrechts wurde die Abtreibung zum politisch heftig diskutierten Thema. Die Liberalisierung oder Aufhebung des Abtreibungsverbots war eine Forderung sozialdemokratischer und kommunistischer Frauenorganisationen, aber auch der autonomen bürgerlichen Frauenbewegungen. Der Bund für Mutterschutz etwa, Teil des Bundes österreichischer Frauenvereine, in dessen Gründungskomitee sowohl Rosa Mayreder wie auch Sigmund Freud vertreten waren, setzte sich für die Verbesserung der Lage unehelicher Mütter und ihrer Kinder ein und kritisierte auch das strenge Abtreibungsverbot.34 Der jahrzehntelange Kampf von sozialistischen, kommunistischen und autonomen Frauenbewegungen um eine Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs – ein Kampf, der nur durch den Nationalsozialismus unterdrückt und unterbrochen wurde – führte 1975 im Rahmen der Strafrechtsreform zur Fristenregelung, die bis heute in Kraft ist. Die Fristenregelung stellt den Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen der schwangeren Frau durch Ärzt*innen innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate straffrei. Die praktische Umsetzung der Fristenlösung wurde von der katholischen Kirche, von einigen Bundesländern und verschiedenen Vereinen seither immer wieder behindert oder in Frage gestellt.


    Marianne Saxl: Plakat zur Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen, 1912.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Saxl-Deutsch (12.12.2023)

    Sexualität und die Frage der Reproduktion, also des Gebärens und der Betreuung von Kindern, blieb auch das gesamte 20. Jahrhundert über ein zentraler Schauplatz kirchlicher, staatlicher, medizinischer Politiken, Zugriffe und Zumutungen. In vielen gesellschaftlichen Bereichen war spätestens nach dem Ersten Weltkrieg, und das gilt auch für die Gründungsjahre der Salzburger Festspiele, die erkämpfte Ausweitung individueller Handlungsspielräume von Frauen gleichzeitig mit einer Zunahme an Kontrolle, Disziplinierung und Normierung ihrer Körper und ihrer täglichen Arbeit zu Hause und an den Orten ihrer beruflichen Arbeit verbunden. Widersprüche und Ambivalenzen in den Transformationsprozessen hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit waren und sind entlang intersektionaler Positionierungen sehr unterschiedlich ausgeprägt gewesen und erfahren worden.

    Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8.3. vergibt das Frauenbüro der Stadt Salzburg und die Stabsstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung des Landes Salzburg seit 1995 den Troll-Borostyáni-Preis an Frauen oder Projekte, die sich für „Verbesserungen der Lebensbedingungen und Rechte von Frauen und Mädchen in Land und Stadt Salzburg engagieren, regional nachhaltig und erfolgreich wirken und Zivilcourage zeigen“35. 1998 ging der Preis etwa an die renommierte Salzburger Historikerin Helga Embacher oder an Jeanette Moore, die Gründerin des Frauenhauses Pinzgau Land. 2010 führte die Nominierung der Salzburger Landeskliniken, in der es für Frauen* aus Salzburg seit 2005 möglich ist, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, für den Preis zu einer aufgeregten öffentlichen Diskussion, die das Weiterwirken jahrzehntelanger gesellschaftlicher Konflikte um die Frage der Abtreibung reartikulierte. Das in Österreich und vielen Staaten erkämpfte Recht auf einen selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Körper gründet keineswegs auf einem unbestrittenen gesellschaftlichen Konsens. Das emotionalisierende Thema wurde, darauf hat die Historikerin Maria Mesner immer wieder hingewiesen, historisch mehrfach für parteipolitische Taktiken instrumentalisiert, die häufig wenig mit der Autonomie oder dem Wohl von Frauen im Umgang mit ihrem Körper, sondern mit bevölkerungspolitischen, eugenischen oder ideologischen Interessen zu tun hatten.36 Liberalisierungstendenzen der Abtreibungsgesetzgebung – wie zuletzt in einigen afrikanischen Staaten – korrespondieren im 21. Jahrhundert mit legistischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Richtung Re-Illegalisierung – wie in den USA oder in Polen. Der Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch für alle Bürger*innen wird, wenn er überhaupt landesweit möglich ist, auch gegenwärtig immer wieder und mit unterschiedlichen Strategien in der Kombination von Motivforschung, Evidenzproduktion und rechtlichen Verschärfungen in Frage gestellt.

    Erkämpfte Rechte und Räume, so zeigt sich, sind in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verteidigen, auch das Recht von Frauen, sich für oder gegen ein Leben als Mutter zu entscheiden. Die Komplexität der Zumutungen, die FALLWICKLS Stück 2023 auf die Salzburger Bühne der Festspiele brachte, potenziert sich gerade jetzt vor dem Hintergrund der von Krieg und Gewalt geprägten politischen Situation der Gegenwart. Die Wut, die bleibt.


    Anmerkungen:

    1. Nach der Premiere des Stücks in Salzburg hält Stephan Hilpold in der Tageszeitung Der Standard den öffentlichen Diskurs eines gesellschaftlichen Konflikts im kulturellen Feld am Laufen: „Wohl noch nie wurde Wokeness bei den Salzburger Festspielen auf eine derart explizite Weise thematisiert, noch nie hat man hier die Themen Mutterschaft und Care-Arbeit, MeToo und Frauen-Solidarität mit einer derart expliziten Botschaft zu einem Theaterabend verrührt.“ Hilpold, Stephan: „Die Wut, die bleibt“ als grober Feminismus-Infight in Salzburg. In: Der Standard, 19.8.2023. Wie auch immer die Aufführung ästhetisch zu bewerten sein mag, es amüsiert, dass ein Kultur-Journalist in seiner polemisierenden Wortwahl die Regisseurin* implizit zu einer Köchin macht, die aus der Perspektive des männlich gelesenen Kritikers „Frauenthemen“ wie in einem Kochtopf verrührt. ↩︎
    2. Universalisierend von „den“ Frauen zu sprechen, ist schwierig, das haben Jahrzehnte postkolonialer und queer-feministischer Erkenntnisproduktion deutlich gemacht. Die gelegentliche Schreibweise mit „*“ im Text drückt Distanz von der scheinbaren Evidenz der Zweigeschlechtlichkeit aus und soll den historischen Bedeutungswandel des Begriffs markieren. Ich versuche, relatioale, differente und intersektionale Aspekte, Erfahrungen und Normierungen von Frauen* zur Gründungszeit der Salzburger Festspiele aus ihrer gegenwartsrelevanten Bedeutung in den Blick zu nehmen. Aus queer-feministischer Perspektive ist es unabdingbar, wenn auch herausfordernd, das Verhältnis von Geschlecht und Sexualität, von Zweigeschlechtlichkeit, hierarchischer Geschlechterdifferenz und normativer Heterosexualität wieder kritisch zu reflektieren und in konkreten historischen Kontexten empirisch zu situieren. Vgl.: Engel, Antke: Wider die Eindeutigkeit. Sexualität und Geschlecht im Fokus queerer Politik der Repräsentation. Frankfurt am Main: Campus 2002. ↩︎
    3. Vgl.: Instagram-Account catcallsofsalzburg. https://www.instagram.com/catcallsofsalzburg/?hl=de (27.9.2023) ↩︎
    4. Vgl.: Ellmauer, Daniela / Embacher, Helga / Lichtblau, Albert (Hg.): Geduldet, Geschmäht und Vertrieben. Salzburger Juden erzählen. Salzburg: O. Müller 1998. ↩︎
    5. Vgl.: Embacher, Helga: Die Salzburger jüdische Gemeinde von ihrer Neugründung im Liberalismus bis zur Gegenwart. In: Embacher, Helga (Hg.): Juden in Salzburg. History, Cultures, Fates. Salzburg: Pustet 2002, S. 38-66; Erker, Linda / Rosecker, Michael (Hg.): Antisemitische und rechte Netzwerke in der Zwischenkriegszeit. Zur Bedeutung informeller Machtstrukturen für die politische Radikalisierung in Österreich. Wien: Karl-Renner-Institut 2023. ↩︎
    6. Vgl.: Lichtblau, Albert: Domplatz statt Synagoge. Festspiele. Sommerfrische und Antisemitismus.
      In: Jüdisches Museum Wien (Hg.): Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele. Salzburg: Re
      sidenz 2021, S. 76-85; Mühlbacher, Sybille: Von Gästen und Geächteten. Sommerfrische-Idyll und
      Antisemitismus am Mattsee (1860–1920)
      . In: historioPLUS 5 (2018), S. 94-117. ↩︎
    7. Vgl.: Bajohr, Frank: „Unser Hotel ist judenfrei“. Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.
      Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag 2003. ↩︎
    8. Vgl.: Wachsender Antisemitismus bis zum Nationalsozialismus. https://www.stadt-salzburg.at/stadtarchiv/juedische-geschichte-salzburgs/wiederansiedlung-1867-bis-vertreibung-1938/wachsenderantisemitismus-bis-zum-nationalsozialismus/ (12.8.2023). ↩︎
    9. Vgl.: Kerschbaumer, Gert: Familie Bonyhadi. https://www.stolpersteinesalzburg.at/stolperstein/bonyhadi_ruth/ (27.10.2023). (Stolperstein verlegt am 25.9.2018 in Salzburg, Rainerstraße 4) ↩︎
    10. Vgl.: Jüdisches Museum Wien (Hg.): Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele. ↩︎
    11. Gürtler, Christa (Hg.): Irma von Troll-Borostyáni. Ungehalten. Vermächtnis einer Freidenkerin. Salzburg: O. Müller 1994, S.40. ↩︎
    12. Vgl.: Grete Weiskopf (Alex Wedding). https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/greteweiskopf-alex-wedding/ (27.10.2023). ↩︎
    13. Vgl.: Projekt Frauenspuren. https://www.stadt-salzburg.at/index.php?id=59890 (27.10.2023). ↩︎
    14. Vgl.: Bauer, Ingrid: Frauenwahlrecht und Geschlechterdemokratie in Landtagen – Das Beispiel Salz
      burg in Geschichte und Gegenwart.
      https://www.stadt-salzburg.at/fileadmin/landingpages/stadtge
      schichte/frauengeschichte/tagung_zu_100_jahre_frauenwahlrecht/bauer.pdf (27.10.2023). (Vortrag im Rahmen der Tagung 100 Jahre Frauenwahlrecht in Salzburg und Österreich im europäischen Vergleich); Bauer, Ingrid: Eine maßgebende Ressource der Demokratie – Frauen im Salzburger Landesparlament. In: Kriechbaumer, Robert / Voithofer, Richard (Hg.): Politik im Wandel. Der Salzburger Landtag im Chiemseehof 1868-2018. Wien: Böhlau 2018, S.139-151. ↩︎
    15. Vgl.: Bader-Zaar, Birgitta: Die Demokratisierung des Wahlrechts. In: Kriechbaumer, Robert u.a. (Hg.): Die junge Republik. Österreich 1918/19. Wien: Böhlau 2018, S. 101-112. ↩︎
    16. Vgl.: Bock, Jessica: Die Prostitutionsdebatte innerhalb der Neuen Frauenbewegung. https://www.
      digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/die-prostitutionsdebatte-innerhalb-der-neuen-frauen
      bewegung (27.10.2023). ↩︎
    17. Troll-Borostyáni, Irma von: Die Prostitution ist kein notwendiges Übel. In: Gürtler, Christa (Hg.): Irma von Troll-Borostyáni. Ungehalten. Vermächtnis einer Freidenkerin. Salzburg: O. Müller 1994, S. 188-189. ↩︎
    18. Vgl.: Kronsteiner, Bianca: Zwischen Pragmatismus, Verurteilung und Verdrängung – Blicke von „au
      ßen“ auf die Prostitution in Salzburg um 1900
      . In: historioPLUS 2 (2015), S. 28-52, S. 32. ↩︎
    19. Vgl.: Ebd., S. 33. ↩︎
    20. Erst 1920 wurde eine nach Geschlechtern getrennte Stimmauszählung vorgenommen, wodurch
      deutlich wurde, dass eine Mehrheit der Frauen christlich-sozial gewählt hatte. Vgl.: Blaustrumpf Ahoi! (Hg.): „Sie meinen es politisch!“. 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich: Geschlechterdemokratie als gesellschaftspolitische Herausforderung. Wien: Löcker 2019. ↩︎
    21. Vgl.: Bauer, Ingrid: Eine maßgebende Ressource der Demokratie – Frauen im Salzburger Landespar
      lament
      , S.139-151. ↩︎
    22. Vgl.: Frauenwahlrecht am Beispiel Salzburg: Gemeinderat und Salzburg. https://www.stadt-sal
      zburg.at/stadtarchiv/frauen-und-geschlechtergeschichte/tagung-zu-100-jahre-frauenwahlrecht/
      (27.10.2023). ↩︎
    23. Mikoletzky, Juliane: Frauenspuren GESTERN. https://www.tuwien.at/tu-wien/organisation/zentralebereiche/genderkompetenz/frauenspuren/frauenspuren-gestern (27.10.2023). ↩︎
    24. Vgl.: Meier-Gräwe, Uta: Wirtschaft neu ausrichten. Wege in eine care-zentrierte Ökonomie. ht
      tps://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/care-arbeit-2020/317855/wirtschaft-neu-ausrichten/
      (27.10.2023). ↩︎
    25. Vgl.: Hauch, Gabriella: Frauen bewegen Politik: Österreich 1848-1938. Innsbruck: Studienverlag
      2009. ↩︎
    26. Pflanzl, Berta: Tagebucheintrag, 24.1.1952. In: Mazohl-Wallnig, Brigitte u.a. (Hg.): Die andere Ge
      schichte. Eine Salzburger Frauengeschichte von der ersten Mädchenschule (1695) bis zum Frauen
      wahlrecht (1918). Salzburg: Pustet 1995, S. 233; Vgl.: Pflanzl, Robert H. (Hg): Berta Pflanzl – vom
      Dienstmädchen zur gnädigen Frau. Salzburger Tagebücher 1893-1953.
      Wien: Böhlau 2008. ↩︎
    27. In der Parteielite des „Roten Wiens“ überwog die Kritik an der Einküchenhaus-Idee. Im Sitzungsprotokoll der Gemeinderatssitzung vom 9.3.1923 heißt es: „Es ist ein Unsinn, wenn eine Familie in einem solchen Einküchenhaus wohnt. Es ist auch aus sittlichen Gründen nicht anzuraten, der Hausfrau alle Sorgen für den Haushalt abzunehmen. Die junge Hausfrau soll sich nur sorgen, sie soll wirtschaften und sparen lernen, das wird ihr für die Zukunft nur von Nutzen sein.“ N. N.: Das Einküchenhaus: Der Heimhof. http://www.bezirksmuseum.at/de/bezirksmuseum_15/bezirksgeschichte/das_einkuechen
      haus/ (27.10.2023). ↩︎
    28. Das Forschungskollektiv „Einküchenhaus. Verein zur Erforschung emanzipatorischer Wohnprojekte“ (bestehend aus zwei Historikerinnen und einer Urbanistin: Katrin Pilz, Marie-Noelle Yazdnapanah, Christine Schraml) erforscht seit 2021 ausgehend von den historischen Wiener Einküchenhaus-Projekten, Historiografien und Potentiale des kollektiven und emanzipatorischen Wohnens. ↩︎
    29. Auguste Fickert gründete 1909 mit „Heimhof“ die erste gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenos
      senschaft für Frauen, 1911 wurde das erste Einküchenhaus in Wien für alleinstehende, berufstätige
      Frauen in der Peter-Jordan-Straße 32-34 im 19. Bezirk eröffnet. Der Heimhof für Ehepaare und Fa
      milien im 15. Bezirk war die von der Gemeinde Wien getragene Fortsetzung dieser Initiative in den
      1920er Jahren. ↩︎
    30. „Bei unserer Auswahl neuer Mitbewohner_innen haben alle, die keine Cis-Männer sind, den Vorzug.“ Wir suchen weitere neue Mitbewohner*innen! https://wohnfabrik.at/ (15.9.2023). ↩︎
    31. Vgl.: Ellmauer, Daniela / Kirchmayr, Birgit: Zwischen den Kriegen: Frauenleben in Salzburg 1918 bis 1938. In: Thurher, Erika / Stranzinger, Dagmar (Hg.): Die andere Geschichte. Eine Salzburger Frauengeschichte des 20. Jahrhunderts. Salzburg: Pustet 1996, S. 13-66, S. 34. ↩︎
    32. Fuchs, Sabine: Hochzeit und Scheidung. https://www.brauch.at/folge03/ch02s19.html (27.10.2023). ↩︎
    33. Zit. n.: Thurner, Erika / Stranzinger, Dagmar (Hg.): Die andere Geschichte. Eine Salzburger Frauengeschichte des 20. Jahrhunderts, S. 34. ↩︎
    34. Vgl.: Mesner, Maria: Der §144 und die Frauenbewegung in Österreich. https://www.digitales
      deutsches-frauenarchiv.de/angebote/dossiers/218-und-die-frauenbewegung/144-und-die-frauenbe
      wegung-in-oesterreich (27.10.2023). ↩︎
    35. Irma von Troll-Borostyáni-Preis. https://www.stadt-salzburg.at/frauen/irma-von-troll-borostyani-preis/(27.10.2023). ↩︎
    36. Vgl.: Mesner, Maria: Von der (Un-)Gunst der Stunde und der Kunst, sie zu erkennen. In: Kreisky, Eva/ Niederhuber, Margit (Hg.): Johanna Dohnal. Eine andere Festschrift. Wien: Milena 1998, S. 78-82. ↩︎

    © Barbara Mair

    MONIKA BERNOLD

    Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie. Zeithistorikerin, Kultur- und Medienwissenschaftlerin. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. zu feministischer Biographieforschung sowie zu Konsum- und Mediengeschichte. 2014 Gastprofessur für Gender Studies an der Paris Lodron Universität Salzburg. Seit 2016 Senior Lecturer am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Seit 2022 Vertretungsprofessur für Kulturgeschichte audiovisueller Medien am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.