EVERYWOMAN

„Er [der Jedermann] ist unerträglich. Nicht einmal der Peter Handke hat sich getraut, in zu modernisieren. Man müsste ihn total überdreht spielen, eine Performance im Stil vom Songcontest, mit drittklassigen Provinzschauspielern. Er darf überhaupt nicht nobel oder perfekt wirken.“

Elfriede Jelinek in: Zoglauer, Franz: Ich bin eine Komponistin! In: Parnass 2/1998, S. 94-97, S. 96.

Der Bereich EVERYWOMAN widmet sich Hugo von Hofmannsthals Jedermann als Gründungs- und Identitätsstück der Salzburger Festspiele aus Gender-Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, welche Frauenbilder dieses seit 1920 zentrale Festspielritual hervorbringt, tradiert und in jeder neuen Aufführung aktualisiert: Frauen erscheinen im Stück vor allem funktional auf den männlichen Protagonisten bezogen – als Mutter, Geliebte, Ehefrau oder allegorische Instanz.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Buhlschaft, deren geringe Textpräsenz in auffälligem Verhältnis zu ihrer medialen und gesellschaftlichen Aufladung steht. Das Kapitel fragt, wie diese Figur zum Schauplatz von Projektionen, Körperbildern, Begehren, Abwertung und Starinszenierung wurde, und wie Inszenierungen solche Muster bestätigen, verschieben oder irritieren.

Zugleich untersucht EVERYWOMAN feministische Auseinandersetzungen mit dem Jedermann: Gegenlektüren, Überschreibungen und performative Interventionen, die patriarchale, katholisch grundierte und ritualisierte Strukturen des Stücks offenlegen. Mit etwa LYDIA HAIDERs Die Buhlschaft in Herbert geht es darum, den männlichen Mythos Jedermann nicht nur zu befragen, sondern aus weiblichen und genderkritischen Perspektiven neu zu besetzen.

Lydia Haider während ihrer Performance