GENDER.FESTSPIEL.GESCHICHTE

„Salzburg sagte immer: Du kannst ruhig eintreten, weil du vorher schon weißt, was dich erwartet, und wir, die wir Kunst anbieten, sind Diener des Zufalls, der aber immer nur den Ausgang dieses Unternehmens betrifft. Dieses Stück, jene Oper ist gut oder schlecht inszeniert, aber Stück und Oper sind je schon vorgegeben. Nur an den Verzierungen kann man noch arbeiten.“

aus: Elfriede Jelinek: Der Fluss-Galopp. In: Landesmann, Hans / Rohde, Gerhard (Hg.): Salzburger Festspiele 1992-2001. Bd. 2. Wien: Zsolnay 2001, S. 144-147, S. 144.

Das Kapitel GENDER.FESTSPIEL.GESCHICHTE entwirft eine zusammenführende Perspektive auf die Geschichte der Salzburger Festspiele seit 1920 unter Gender-Aspekten. Es fragt nach der Präsenz, Nicht-Präsenz und Sichtbarwerdung von Frauen in künstlerischen, organisatorischen und leitenden Funktionen und verbindet historische Analysen mit Grundlagenrecherchen, statistischen Auswertungen und kommentierenden Einordnungen.

Im Fokus stehen Zeitphasen und Intendanzen, die für Marginalisierung, Ausschluss oder Öffnung besonders signifikant sind: die männlich dominierte Gründungszeit, die NS-Zeit mit Blick auf Ausschluss, Vertreibung und Verfolgung jüdischer Künstlerinnen, die Ära Herbert von Karajans als lange Phase männlich-genialischer Leitungs- und Repräsentationsmacht sowie die Zeit ab den 1990er Jahren, insbesondere die Intendanz Gérard Mortiers, in der Frauen als Komponistinnen, Autorinnen und Regisseurinnen erstmals größere Präsenz gewinnen konnten.

Das Kapitel analysiert einzelne Aspekte zeitenübergreifend und führt Befunde aus anderen Bereichen zusammen: zu Repertoire, Leitungsstrukturen, Regie, Dirigat, Choreographie, Sichtbarkeit, Archiven und Leerstellen. So entsteht eine Neubefragung ihrer Grundstrukturen aus Gender-Perspektive.