GENDER.POLITIK

„Salzburg ist überirdisch schön. Das hat nichts mit dem Leben zu tun. Das ist dekadent, und die Bevölkerung ist bäuerlich, behäbig. Innsbruck wirkt heute viel offener und jünger. An der Salzach spürt man noch immer den unaufgeklärten Absolutismus, diesen Klerikalfaschismus, der ja in Österreich auch anderswo noch verbreitet ist.“

Elfriede Jelinek in: Zoglauer, Franz: Ich bin eine Komponistin! In: Parnass 2/1998, S. 94-97, S. 96.

Der Bereich GENDER.POLITIK verortet die Salzburger Festspiele in jenen historischen, politischen, sozialen, rechtlichen und religiösen Zusammenhängen, in denen Geschlecht seit ihrer Gründung wirksam wurde. Im Zentrum steht die Frage, wie Frauen*, Geschlechterbilder und Gender-Debatten in der Geschichte der Festspiele sichtbar wurden, wo sie marginalisiert blieben und welche institutionellen, ästhetischen und kulturpolitischen Strukturen diese Sichtbarkeit ermöglicht oder verhindert haben.

Die Beiträge dieses Bereichs untersuchen die Salzburger Festspiele als kulturelle Institution, in der sich Vorstellungen von österreichischer Identität, gesellschaftlicher Repräsentation, Exklusivität und Traditions- wie Mythenbildung verdichten. Von der Gründungszeit über die Frauenbewegungen des 20. Jahrhunderts bis zu aktuellen Debatten um Gleichstellung, Diversität und Teilhabe wird nachvollziehbar, wie eng Kunst, Politik und Geschlechterordnungen miteinander verschränkt sind.

© SF, Foto: Kerstin Schomburg