Das Salzburger große WeltSaufDuellGericht
In Anlehnung an: Das Salzburger Große Welttheater von Hugo von Hofmannsthal
LYDIA HAIDER
Ein Dank ist mehr zu mir von: Peter, Papa, Römi (Dank aber wahr, wenn)
Auf einer Wolke erscheint der VORWITZ und schaut auf die Erde. Der VORWITZ spricht und weint dabei und lacht gleichzeitig VORWITZ HUGO VON HOFMANNSTHAL: Was soll ich jetzt mit euch, Ihr KÖNIG, Ihr, die Ihr euch nie entscheiden könnt, ob ihr der Erste oder Letzte seid, mit eurem ständigen Gewäsch, und doch weiß niemand, wie lang das Werken wirklich ist, wo die Kunst aufhört, die Kunst beginnt. Denn ständig ändert sich die Linie, Länge, Lage, mit dem Mond und unberechenbar. Beständig nur ist Kunstens Unbeständigkeit. (eingesprochen von Blixa Bargeld-KI)
Auf der Erde erscheint der KÖNIG und schaut auf den WIDERSACHER
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: So Frau Haider, Sie sind sich vermutlich im Klaren,
warum Sie hier stehen und dass die Anklage eine recht scharfe ist. Sie wissen schon,
dass es um Leben und Tod geht bei Ihnen…
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ja das mit dem Leben und Tod ist solchen wie mir klar. Aber ich weiß nicht, was konkret ich hier steh und meine Anklage ja was hab ich denn?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Seien Sie nicht frech, Sie Frau, mit dieser blöden
Frage! Sie wissen genau, was ich Ihnen vorwerfe, was Sie getan, wie Sie mir damit das
Leben schwer machen, wie Sie damit mich und meine Herrschaft diskreditieren, wie sie
ständig mich schänden da schänden Sie mich so sehr und sind ganz SCHÄNDER, Sie!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Seien Sie nicht frech, Sie Kasperl Sie, mit dieser blöden Antwort! Der Arsch ist offen – jetzt wollen wir hoffen, dass ein Wunder geschieht!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Das ist ja die Anklage: Ich weiß, dass Sie ganz
anders schreiben können! Was zitieren Sie diese Affen Hgich.T hier! Sie haben ja das
Potenzial zu etwas Salzburg’ischen! Sie würden reich sein. Sie würden berühmt sein und
alle wollen Ihnen die Hand schütteln und mit ihnen ficken. Verstehen Sie das nicht? Und
Sie schreiben immer so einen Dreckscheiß, dass mir ganz abgrundtief wird in meiner
Salzenburger Seele. Das ist die Anklage: Sie schreiben nicht, wie verlangt! Selbst auf
Einladung: Die Salzburger Festspiele verfolgen einen Bildungsauftrag, wie Sie wissen, und
der solche ist uneingelöst – absolut uneingelöst mit solch‘ Drecksfuten wie Ihnen, die sich
anmaßen, mir vordergeschlechtliche bunzbuschi Österreichputzhur aller
Verwerkungsarten deluxe anzudrehn. Sie tun nicht, was von Ihnen verlangt!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Allein Ihr Atem bringt Grillen der Verzweiflung in jedes Hirn. Pfui, pfui, s’ist ein wüster Garten, der auf in Samen schießt.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Oh ja oh ja gleichermaßen – bilden Sie sich ein, mir
Hamlet zu antworten, Vermessene – in MICH ist’s bildungsbürgerlich eingebor’n von wo
ich geboren wurd – denn ich wurd ja geboren – einst, wo wir überredet, zuzupassen sich.
Nur hat das Überhand genommen und also ist’s: Denn WIR sind die Sau! Wir sind die
wahre Sau! Wenn wir sagen: Jemand IST, DANN ist der. Wenn wir sagen: Jemand IST,
dann kannst du hernehmen den über Jahrzehnte ausschlachten, bis der nicht mehr
kriecht. Denn wir sind hoch hehrst solch’ Weiber so stolz! Mit diesem A O U haben wir viel Geister gerufen und viel Ruhm ergattert. Wem aber das Volle gegeben, der schreit nicht A noch U. Ja sicher bitte, hier nehmen wir das Verb raus, denn so geht die Geschichte. Wir geben hier kein Verb.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Danke. Also ohne Verb: Meine gesammelten Werke –
bitte sehr. Alles gehört dir – *räusper – Ihnen. Mit Geschichte kenn ich mich aus *räusper.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Wer will denn sowas haben! Ich sicher nicht! Mich
ekelt’s!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Oh! Das tut mir leid. Ich stehe Ihren Schmerz so sehr. Ich stehe auf Ihren Schmerz so sehr. Ja ich bin der Schmerz.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE aggressiv: Ja kauf dir was um deinen Schmerz! Das
schau ich mir an, wie lang du davon dein Brot kaufen kannst! Steht es schlecht um dich:
ja sicher! Ich sehe es ja, ich hör es ja, ich weiß ja, dass du kein Geld mehr hast, um Brot
zu kaufen. Bald sitzt du im Hofer oder einer Lehranstalt oder noch toller: fährst uns’re
Salzenburger Fetzenkünstler mit dem Taxi zu ihren Aufführungsstätten. Du bist blank,
nackt, ausgebrotet, liebe Lydia Haider. Niemand beauftragt sowas! Niemand KANN deine Texte, denn die sind vermessen und behindert in sich selbst! Du brauchst mich! Schau her: So tust du nicht mehr! Denn diese Zeit gibt dir kein Brot mehr! Aber fressen tust du schon gern, nicht wahr? Du willst schreiben und davon essen? Dann beuge dich, du Widersacher.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Was soll ich also tun? Wie kann ich schreiben, was Ihr
wollt?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Schau nach oben, und wenn du mich siehst, dann
fall in die Knie.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Also tue ich nach deinen Worten: Also tue ich und falle auf die Knie. Und ich spreche: Was befiehlst du mir, deinem Genie?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Genie! Das ist’s, was ich gnäd’ger Herr hab sagen
woll’n! Wir brauchen Genies! Denn die beugen sich. Das Wesen des Genies ist es, dass
es reich wird. Denn es ist klug. Der Widersacher aber ist nur in der Kunst und bleibt auch
dort und wird nie was Ordentliches. Der Widersacher ist NIE ein Genie! Der Widersacher ist an der Kunst verelendet. Sonst könnte der nicht leben, der Widersacher. Der muss ja leiden und in der Kunst herumkriechen. Und so wer hat keine Zeit für das Leben. Also bringt ihm auch kein Reichtum was. Daher nimmt der den Reichtum nicht an, selbst wenn der solche ihm ins Gesicht gestellt und vor seiner dummen Fresse liegt. Der Widersacher ist blöd und kann das Leben nicht genießen: Der will nur Kunst und damit die Welt verändern. Was für eine Lächerlichkeit!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Lieb‘ König: Ich bin ein Widersacher. Ich kann das Leben nicht genießen, denn ich bin dazu geboren, Kunst zu machen. Und ich gehe demnächst in den Hofer. Und ich fahre demnächst ihre wohlfeilen Künstler zu ihren Stätten. Nur: Wollen Sie einen Spaß, wollen sie Freude oder sowas wie Reinigung, dann lassen Sie mich, vor meiner Todesstrafe, mich, lassen sie mich duellieren mit so einem Genie. Wählen Sie ruhig. Suchen Sie mir ein Genie aus und schauen Sie zu.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Das wäre eine neue Mode. Ja das mag ich.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Zeigen Sie mir an so ein Genie und ich will mich diesem duellieren vor Ihren Salzenburger Äuglein – und mich vor solch und vor Ihnen
rechtfertigen, und es wird ferner Sie dazu nötigen, mein‘ Straf von mir gehen zu lassen, so Sie mir das Reich *räusper das Recht einräumen. Dort kann eins zeigen, was wer wo ist Genie und was der Widersacher sei. Sieg heil *räusper.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Den Namen des Auffälligen, dieses sprachkämpferischen Saufbruders sag ich Ihnen an, solchen wie Sie sich denken, aber
NIE sind flüstert hin
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Wie halt die Rollen ausgeteilt sind, das kann er nicht
verschmerzen. Ich auch nicht. geht auf die Knie
Symphonie hebt an für ENGEL
Fanfaren, minderwertig, beim Kommen des MEISTERS
ENGEL HELMUT QUALTINGER tritt auf: Was ruft wer mich her, Sauhunde, ihr lustigen
MEISTER LYDIA HAIDER tritt auf: Halt deine dreckigen Händ‘ Antennen gleich hoch zum Himmel und bitte um Gnade, du kleine, ganz kleine Sau du
Schauen sich erkennend an, dann wie aus einem Mund
MEISTER HAIDER: Einzig heil Moment im Universum
ENGEL QUALTINGER: Da wo’st ein neu Text beginnst
MEISTER HAIDER: Da wo du noch denkst ENGEL QUALTINGER: Da ein solch dir ein Relevanzia gebet zu wo ein Auftrag
MEISTER HAIDER: Nachzugehen Scheißschreibfut glaubst von Berecht’gung
ENGEL QUALTINGER: Zu scheißen willst so recht da bist Duell
MEISTER HAIDER: Gib ein Gefühl von Relevanz
ENGEL QUALTINGER: Armutszeugnis lieb ich dies Wort
MEISTER HAIDER: Nimm deine Tabletten Hawerer bevors dich aushängt gleich das
ganze Schachtl drücken schneller
ENGEL QUALTINGER: Fang an endlich mit der Vernichtung der Geschichte, von dem
Fetzenkönig da, von mir, geh weida
MEISTER HAIDER: Hast du da gerade einen Beistrich in meinen Text hineingesetzt
ENGEL QUALTINGER: Teile dir halt die Zeile besser ein
MEISTER HAIDER: 1. hatte ich noch nie einen Countdown am Anfang macht das schon
Sinn immerhin wollen wir dich zerreißen auslassen ein zwei Liter
ENGEL QUALTINGER: Herausgelassen genau aus einer solchen Fickgosche wie der
deinen einem einziges Elendsgebilde hineingebildet
MEISTER HAIDER: Schau mir in die versoffnen diese übermüdeten Augen hin schau ganz rein und tu deine Sache die sie da ist mir deine ganze Geschichte diese neue eine
gänzliche Neugeschichte zu sagen in das welches hast du gemeint welches Ohr
ist das
ENGEL QUALTINGER: Schnitzel, runter mit der Panier, aber sehr flott
ENGEL HAIDER: Und all diese Hunde wie dich stante pede anzünden und alle ihre
Nachkommen anzünden desgleichen und all ihre Familie anzünden ebenso jegliches
Anhängendes sofort anzuzünden auf der Stelle Wauwaus wie Bussibärlis entzünden und
alle Hunde rein dazu in das Heiße oh Wodka – bist du im Hirn? Bist du gut angekommen?
ENGEL QUALTINGER: Golgotha ein Scheißhaufen dagegen dieses Prinzip so erbärmlich, dass eine ganze Kirche daraus gegründet sich darauf gründen sollte daraus
wachsen erwachsen da auferstehen daraus sich heben und gehen aus in und
durch und nur diese
MEISTER HAIDER: Nun das kann man nicht messen wie viele das sind an Litern solchen
wie es genannt wird
ENGEL QUALTINGER: Es heißt der Alkohol
MEISTER HAIDER: Und wird gesprochen nur als Ako Hoi
ENGEL QUALTINGER: In dem du lebst
MEISTER HAIDER: In dem du nur mehr BIST in diesem Wahn und glaubst es hätte etwas mit Kunst zu tun nur im Entferntesten irgendwas in diesem Kunstmorast
Müllhaufen der Halde dieser Dreckshalde im Sauschutt dem Verwesenden Shitgeleck da
ENGEL QUALTINGER: Von Schweinskindern wie dir gemacht für ein Volk das genauso
verwest und dahinverwest mit dir darin und der ganzen der gesamten der allumfassenden Kunst der Großen wie sie plötzlich sehr klein wird im Angesicht in der Verrottung der totalen diesem Gebrunze aus lauwarmer Lulufressen wie der deinigen
MEISTER HAIDER: Komm lass es einfach raus und sag es mir ins Gesicht
ENGEL QUALTINGER: Gutfut du diese du alte sehr bewusste Gutfut die springt
vermutlich über die Geschichte drüber sogar dass du sie gar nicht mehr erwischst
MEISTER HAIDER: Und wie fängt der Rattenfänger seine Ratten
ENGEL QUALTINGER: Die ganze Geschichte lang hat er das immer gleich getan ohne
Rücksicht auf hatte der Verluste vermutlich hat der auch seine Abzüge seine Leerstellen seine Witze darin gehen auch verloren recht rasch wenn der nicht schaut drauf dass sie solche bleiben und SIND natürlich in der Anlage der Natur
MEISTER HAIDER: In einer verdammten Mistanlage einer wie du sie nennst Mistnatur
ohne Zweck und Sinn nur ein Überfluss und viel zu viel davon
ENGEL QUALTINGER: Aus der selbst heraus endet das nie
MEISTER HAIDER: Da muss sich extern wer drum umschauen um so eine eingefahrene
so eine eingespielte Musterei mehr als ein Muster dass es erneut dies Wörtchen
das kleine unscheinbare Wörtchen IST
ENGEL QUALTINGER: Ohne Verben ists halt auch sehr fad und statisch will niemand es
soll ein Sprung ein Ursprung vorbereitet sein und er hat zu sein jetzt
MEISTER HAIDER springt mit scharfem Anlauf und ausgestrecktem Bein ENGEL
QUALTINGER ins Gesicht, dass es dessen Genick abreißt und er fällt
Doch Oije: die wahren Sprünge sind Genies vorbehalten: ENGEL QUALTINGER lebt noch
und kriecht wimmernd und entstellt auf dem Boden umher
MEISTER HAIDER steht daneben und zögert
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Bist du so feige, Menschenseele? Du Haider du:
Geh mir aus den Augen, ich mag kein feig‘ Geschöpf sehen, wie du das bist.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ich kannte Zwang nicht, noch Gesetz, allein Ihr Kasperl zwingt mich jetzt! Nimm auf dich! Schmiege dich! Wie sollte das Unsagbare zu dir sprechen als in diesem Salzburg?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Dass ich nicht lach! ICH bin das Unsagbare! Hör dir meine Orgel an. Sie ist so laut, dass du nichts mehr hörst. Brauch kein‘ Sprüch‘ und kein Erbarmen.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Wer ist denn gestorben? tritt springend und wie
nebenher ENGEL QUALTINGER von oben auf den Kopf und das Gesicht zu Tode und
erlöst Es wird schon nicht so arg gewesen sein!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE grantig: Im zweiten Spiele zerreißt es dich. Warum,
warum? Das war doch kein Duell! Ein scharf und furchig Etwas im Gesicht! Mehr nicht!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ob es geht oder nicht, das wird sich zeigen. Der BAUER hat noch immer Dialektbedürfnis, das arme Schwein. So haben wir den Reim. Bitte sehr.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Du bist meine Magd längst! Zu End‘ geh’n soll
schon bald das Spiel, ruf ich jetzt einen nach dem andern ab! Ich geb dir an dies nächst‘
Genie…
WIDERSACHER LYDIA HAIDERruft aggressiv und fordernd: Jetzt ist schon angesagt und verkündigt genug, jetzt könnten Sie schon einmal anfangen…
Symphonie hebt an für BETTLER
Fanfaren, minderwertig, beim Kommen des MEISTERS
BETTLER VOODOO JÜRGENS spricht wie ein Kind: Muss ich?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Spiele die Rolle, und dir wird sich enthüllen, was sie gehaltet. Das ist ganz normal.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER zu VOODOO: Hast du diese Worte deutet auf das Blatt gelesen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Das ist ein Trauerspiel hier.
BETTLER VOODOO JÜRGENS: Ich habe bis jetzt gemeint, das Ganze wird eine recht
lustige Kreuzerkomödie – aber mir scheint, wenn das so wird, werd ich mein Schneuztüchel auch strapazieren müssen, beispielmäßig. Das ist unverhofft.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Intercedo! Ich tue Einspruch! Ich protestiere: Den kann ich ja nicht umbringen. Und weiß auch nicht, ob das mit dem Genie bei dem stimmt. Der beugt sich ja nicht, etwa Salzenburger Fetzenspielen… die Wahl stimmt nicht!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Sie sind des Todes, so oder so, wehren Sie sich bitte nicht recht interessant da glauben Sie, ich hörte Ihre Rede wie Sie verworfen und der Verwerfung ganz nah ist das wahre Wort von wer hat das gesagt: Ja Sie selbst! Denn Sie wollen gesehen sein! Denn Sie sind interessant – dass ich nicht lache!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ich dachte, Sie schicken mir ein Geniebeidl von
Schauspielperson wie Otto Schenk oder Lars Eidinger. Und jetzt diese Sekkaturen…
BETTLER VOODOO JÜRGENS resigniert: Heast Lydia: Ich mag deine Predigt nicht. Ich
will nichts von der Welt. Mit der Kunst ist’s lang vorbei und ich bin eh am End – weil
mittlerweile Bettler und mir ist voll der Scheiß passiert: Da sind so ein paar fremde Hund
über die Grenz daherkommen, und da hats mit meiner Oidn jählings ein End genommen.
Die Hütten war verbrannt und die Frau halt auch und die Kuh dazu. Ganz still hat die
Brandstatt geraucht in einer besonderen Ruh! Die Kinder haben sich versteckt im Wald.
Und die Geißen in ein Dörnicht getrieben, so sind sie den Tag am Leben geblieben. Ist
ausgangen das Licht. Noch nicht den Tag, wos mir die Frau erschlagen haben, nein
später, wie ich hab müssen die Kinder in einer selbstgrabenen Gruben begraben. Nein,
nein. Auf einmal sind nicht alle viere gstorben, an der schandgierigen Hungerseuch. Am
Mittwoch nur zwei, am Donnerstag eins, dann am Sonntag das letzte – es war eine stille
Leich, die Verwandtschaft, die Leichenträger und der Totengräber dazu war alles die
nämliche Person. Und du? Du hast den Tag fleißig geschrieben ja, du?
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ja sicher hab ich fleißig geschrieben, neben meinen
noch lebenden Sohneskrüppeln her, um mich zu wehr’n und diesem Salzburg anzuzeigen,
wie es steht um uns’re schöne Sprach, unser schönes Spiel hier!
BETTLER VOODOO JÜRGENS resigniert: Ich hab schön g’sungen und mit Weihrauch
geräuchert auch, all’s nach der Ordnung und heiligem Brauch, und dicke Mauern um dich
herum und eiserne Gitter vor jedem Loch, dass nur sicher war! Nur recht sicher doch!
Und andre – andre sind vogelfrei und können Händwinden und Blutschwitzen und
zwingen sich kein Hilf herbei! Warum?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Es hat sein müssen. Trotzigem Warum. Bleibt der
saphir’ne Gerichtshof stumm. Du musst leiden, sonst kannst du nicht so tolle Musik
machen und so superne Liedtexte schreiben, lieber Voodoo.
BETTLER VOODOO JÜRGENS schreit: Nein: es hat nicht sein müssen! Lüg nicht! Nein!
Andern ist nichts passiert! Wer reich war, ist davon! Wer sich ein Pferd hat kaufen können,
hat mögen der Seuch aus dem Netz rennen! Warum? Warum? Wo steht das geschrieben!
Mein Fleisch und Blut hat müssen auf den Mist, ein andern ihrs ist springlebendig blieben!
Wo steht das? Wo? Wo steht, dass meine Brut zum frühzeitigen Sterben hat getaugt, den andern ihre war dafür zu gut! Das Maul auftun jetzt! Her mit dem Gericht, das zwischen dir und diesem König läuft! Schrei ich nicht mehr um mein Recht, so tue es dieser und jeder Widersacher von uns, denn wir schreien ab jetzt nur mehr! Selbst hinig und im Grab schreien wir noch, denn unsere Schreie bleiben für immer.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Dein Schrei ist Qual der Kreatur, doch gegen wen
vor irdischen Schranken willst du klagen? Wer von den Unseren hat an dir missgetan?
BETTLER VOODOO JÜRGENS: Lydia: Töte mich und rette dich. Sei nicht ruhig und pudel dich immer weiter so auf. Bleibe nie in Maßen, Mensch! Todsündig ist kein Zorn!
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ich bin ruhig. Ruhig ist es hier in Salzburg generell zu
KÖNIG denn hören Sie etwas, Sie König, hören Sie? Ja wie ruhig ist es bei Ihnen und ich
frage Sie der Länge nach tritt wie nebenher dem Bettler Voodoo Jürgens den Kopf ab: Ihr
habt, und ich hab nicht – das ist das Geld und die Macht. Ich hab die Red’ und so könnt
ihr nie reden, wie ich rede. Denn ich rede, was ihr kaufen wollt. Doch ihr könnt die wahre
Kunst nicht kaufen. Das ist der Streit und das, um was es geht!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Schweig! Meine Red hab ich aus MIR gefunden,
brauch keinen Fürsprech! Von sowas wie Ihnen ja sicher nicht.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ihr habt das Haus, den Hof und auch das Ingesind, Ihr habt das Feld und habt die Kuh, und habt das Kleid und auch den Schuh, und habt ein
warm satt Blut im Leib, und habt die Zeit und noch den Zeitvertreib, Ihr habt den Tag und habt als zweiten Tag durchgemacht die Nacht mit Fackeln, Kerzen, Glanz und Pracht. Ihr habt den Wein und noch ein Lautenspiel zum Wein, und habt den Schnaps und noch den Schein, und habt das ganze Erdenwesen und noch das Buch, darin recht schön und faul zu lesen, darin wird eure Welt beschmeichelt und bewitzelt, damit euch, was ihr habt, noch einmal geil den Schwanz da kitzelt. Das alles habt ihr und woher? Weil ihr’s gestohlen, gebaut das Haus auf uns’rem Schmäh und eurem Verderbe! Salzburger Festspiele: Du sitzest in gestohlenem Erbe, und wer kommt jetzt, das Seine sich zu holen? Ja niemand. Niemand kommt. Keine Sau interessiert’s. Keinen Arsch juckt das, was ihr da habt!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Nimm auf dich! Schmiege dich! Arschgesicht,
sichtlich als Gesicht von einem Arsch und von daher als Arsch in einem Gesicht lebend
also wesend ganz besond’rer Arten sich wie du in Bild’nes Gewand dem Bild’nen Kleid
gleich steigst da glaubst sich schmiegend Bild’ner Kunst anheim fallend zu tun und das
aus seiner Scheid. Der deinen. Ja, du WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ich habe längst
gehört, dass du der Bild’nen Kunst anbiedern tust. lacht Suchst du dort Geld?
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Denn jed‘ Stund, da Ware schneller rollt, schafft neuen Wert, ist bares Gold zu Hurenkindern der Sinn Bild’ner Hurenskunst mir erprobt und wert.
Schatzimeister KÖNIG, bist du so wenig Meister Arschloch Kunstfetzenhirn und König
auch von Kunstens Statte heißt du demnach Galerie, denn nur so wer die neuen Wege
weiß, kann alle Kräfte straff zusammenhalten, zur Einheit eines großen Ziels verwalten.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Genug? Das ist ein niederträchtig‘ Wort! Du willst
malen, wie du es tust, du Schriftstellerin? Sieh auf! Es lacht auf dich die ganze Welt! Hier
ist für dein Duell ein wahres Genie!
Symphonie hebt an für WELT
Fanfaren, minderwertig, beim Kommen des MEISTERS
WELT GOTTFRIED HELNWEIN:
Gefickte Die Gefickte Ficken
Gefickte Hungernde Beim Hungern Gefickt
Hungernde Gefickte Zum Hungern Gefickt
Nackte Gefickte Durchs Erfrieren Gefriergefickt Durchgeficktet Und Eingefickt
Gefickte Nackte Durchs Nackte Ausgenackt Wie Eingefroren
Gefickte Kinder Von Gefickten Weitergefickt
Kindergefickte Ins Kindergefickte Geficket Wie Leicht Kinder
Raumlos Gefickte Auf Weiter Flur Unendlich Ins Raumlose Gefickt
MEISTER LYDIA HAIDER:
Unendlich Weiter
Unendlich
Der Weg Ist Das Ziel
WELT HELNWEIN:
Gefickte Eltern Von Gefickten Eltern Gefickte Kinder Gefickt
Gefickte Ohne Brust Zu Gebrustfickung Breitbrustig Von Gefickten Gefickt
Beinlose Rollstuhlgefickte Zur Weiter Gefickung Von Gefickten Gefickt
Brustlose Geficktbrustete Zur Gefickung Von Gefickten Brustgeficket
Gefickte Mit Nur Einem Bein Gefickt
Elterngefickte Geficktkinder In Gefickttrauma Schaugefickung Gefickt
Wehrlos Gefickte Gefickte Quagefickt
Gefickt Wehrlosgefickte Solcherarten Gefickt Gefickt
MEISTER HAIDER:
Unendlich Weiter
Unendlich
Der Weg Ist Das Ziel
WELT HELNWEIN:
Geschichtsgefickte Mit Geschichte Erneut Gefickt Von Gefickten
Gefickte Von Geschichte In Geschichtsgefickerei Unablässig Historischgefickt
Gesichtsgefickte Mit Pickelgefickung Ins Gesicht Weiter Gefickt Durch Gefickte
Pickelgefick Fickung Schwergeficklich Aus Pickel Gefickel
Gefickt Das Weitergefickte Von Gefickten Noch Weiter
Schlecht Sehende Beim Gefickt Schlecht Sehen Eingefickt Schlechtes Sehen Gefickt
Leider Relativ Schlecht Gesehene Beim Schlecht Sehen Eingefickt Von Nichtsehen
Von Recht Schlecht Sehen Sehr Schlecht Gefickt Durchgefickte Aufgrund Nichtsehens
MEISTER HAIDER:
Unendlich Weiter
Unendlich
Der Weg Ist Das Ziel
WELT HELNWEIN:
Hungerndes Theatergeficke Zum Schauen Gefickt
Unablässig Aus Dem Fett Schlecht Geficktes Dramafett
Nacktes Geficktes Durchs Salzburger Spielgefickte Durchgefickt Und Eingefickt
Aus Dem Geficktfetten Fettgeficktes Geschichtlich Spielgefickt Zu Durchgehend Drama
Gefickte Nackte Durchs Geschichtsnackte Ausgenackt Wie Eingesalzburgt Sich
Gefickte Salzburgkinder Von Gefickten Salzburgkindern Weitergefickt Geficktgefickt
Salzburger Kindergefickte Ins Kindergefickte Eingesalzburgt Geficket Wie Kinder
Wertlos Gefickte Auf Wertlos Flur Unendlich Ins Raumlose Gefickt Von Salzburg
MEISTER HAIDER:
Unendlich Weiter
Unendlich
Der Weg Ist Das Ziel
MEISTER HAIDER tritt WELT HELNWEIN um, fixiert ihn unmittelbar am Boden und drückt ihm mit dem Knie die Kehle ab, bis er nicht mehr atmet
Kurz schweigen und Stille zwischen KÖNIG und WIDERSACHER
WIDERSACHER LYDIA HAIDER sich entschuldigend: Ich hab Kampfsport gelernt und
lebe seit meiner Geburt in Bars, solch ist der Preis für unendlich viel‘ Schlägerei‘. In
Tischtennis einst Staatsmeisterin, von daher recht schnell und wendig. Tut mir leid für
Sie…
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Ein Mensch wie and’re auch: ein schwaches Haupt
bepreist und gewinnt. Das kenn ich woher…
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Zu meiner Rechten hier nimm Platz, du edles Beidl: Darf ich Ihnen eine einzige hochehrliche persönliche Frage stellen, bevor Sie mich töten?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE schaut konsterniert: Ja von mir aus – hier ist eh alles
zu spät.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Ist Ihnen nicht auch so dermaßen fad wie mir?
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE schaut und schaut sehr lang und lächelt dann und
nickt und spricht: Komm: Setz DU dich her zu mir und erzähl mir: Du hast recht: Mir ist so unendlich fad. Was kann ich dagegen tun?
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Schau her: Es geht hier eigentlich gar nicht um das
Gericht, sondern um jene, die es kochen, dieses Gericht. Die meisten Gerichte
schmecken fad. Du kannst das sicher nachvollziehen. Aber es gibt nicht so viele gute
Köche, wie der Mensch halt fressen will, und von daher sage ich dir: Man wird jetzt bald
die Köche fressen.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Und die schmecken besser? Das kann ich mir nicht
vorstellen. Schau dir doch so eine Kochesperson an: Das ist doch das Zugeschissenste
und Verlorenste und Verhurteste was auf diesem Ball genannt Erde herumkriecht und
würmelt da so eine Kocheswitzfigur mit dem unausgebildeten Gehirn und dem
unbedingten Streben nach Größe und Wahrheit und Erhabenheit, was ja aber ein
Widerspruch ist mit dem Gekoche und dem Gefresse und dem Gescheiße und dem
ganzen Körperdreck: nichts Niedrigeres auf Erden denn so ein verbrunzter Wichskoch in
seinem das Denken zuwichsendem Gekoche und damit die gesamte Menschheit
missbrauchenden und erniedrigenden Tun. Und wie sie das dann alle fressen und
beschreiben und dem Gefresse experimentelle Namen geben und es sich einführen in die
von allein Experimentellem an Bedeutung nur so überbordenden Drecksfressen und in
diesem Einführen zu einem dem sexuellen Akt gleichenden das experimentelle Gefresse
honorieren mit Geldern bis zur Vergasung he: Die sind reich! Die sind berühmt und alle
wollen diesen die Hand schütteln und mit ihnen ficken. Und das, obwohl in deren
Gehirnen so viel los ist wie auf der Vernissage einer Ausstellung von Erwin Wurm.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Wir werden das dennoch fressen müssen: Aber nicht,
weil’s nichts and’res gäbe, sondern weil wir anders den Dreck nicht wegbekommen. Und
all jene, die die Kochesperson überhaupt erst dazu machen, was diese ist, also die
Kochesmitläufer, wie sie da mitlaufen und das Reich ihnen machen und sie zu Wesen
hoher Werke, gleich dazu gefressen die als kleine Beilage dazugelegt und mitgefressen
und vernichtet mit deiner Hand ein Etwas deiner Stärke in einem mundgoschenoffenem
Fressanlauf aufgeräumt und weggezehrt und hinweggenommen und damit genommen vollkommen als Grundübel dieser Menschheit einfach sich einverleibt dem Fressen wie dem Kunstkonsumakt wie dem Geschlechtsakt wie selbst dem Atmen gleich verdaut sehr entspannt und dann ausgeschieden und hingeschissen das Arschloch aus dem Arschloch.
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Zwo drei vier: Einen Meister sieht sein Stümper
ungnädig an – und es gibt kein Ausbessern nachher, wo einer vertan. Du aber machst mir
Freude und ich sage dir: Bist so schwer von Begriffen? Anschaffen und gehorchen, sich
aufrecken und sich ducken, prassen und entbehren, das alles geschieht von denen, die
im Spiel stehen längst: Du stehst ja hier im Spiel. Bist du leicht behindert?
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Um dessentwillen werden einer oder etliche an des
Widersachers Tisch gerufen – denn so geht das, verbunden euch durch gold’ne
Gnadenkette und das ist leicht ja brich mit denen das Brot, vor dem die Hölle bangt da tu
ich die Genussfressfetzen samt all Fresskünstlern da Halb- wie
Vollzeitfressfressigoschenbappen aus- und zugefressenen nur mehr in eigen Saft
dahinvegetierend’ Lustgenussschlemmscheißhaufen verzehren in einem unendlichen
Zehrungsakt, eines solchen die Menschheit noch nicht gewahr. Und dann? O Freude!
KÖNIG SALZBURGER FESTSPIELE: Gleichnisweise aber geschieht es und nicht für
wirklich, und gut oder schlecht wird nicht die Rolle heißen, sondern das Spiel dann, wenn
die Dinge an ihr End‘ kommen. Wir werden sehen, was die Kritik sagt.
WIDERSACHER LYDIA HAIDER: Das alles weise doch du ihnen in Eile noch ein, sofern du selbst dir lieb bist und willst, fürderhin dir nicht fad zu sein, unverkörpert‘ Seel‘ Salzburger Fetzenspiel die Botschaft bring jedem selber, nun da tritt weg, Welt, tritt weg meiner Art und küß den lieben Erdengrund zu schenk noch einen ein, du Salzburg Festspiel, nicht knirschen, komm, an mir empor dich richt, da kehren alle ein, alle wollen saufen, gesegnet sei der Mund in dem Gesaufe von Salzenburger Fetzenspielen, erquick dich ersaufender Art von Nichts bleibt uns zu eigen der ganze Fußballklub, alle sind besoffen in den Spielen fest wird hier gesoffen, hast ja nicht gegeizt, als du der Sterne Gast hast Durst und an Himmel warfst, die Nacht mit Sonnen überschienst saufender Art da ganz im Anschreien auf ein Zickezackezickezacke hin zu dem Spiel wo Blue Curasauz sag jetzt das Wort da sag immerfort das Wort Saufen, wo alle saufen, wo alle sind besoffen, schrei mit an, schrei mich an, sonst wär der einsam‘ kalte finster Ort ja nicht auszuhalten in dieser ewig‘ gleichen Weis so du dort, tritt ab, wo all dem möcht’st was schaffen armen Tod so gar fett und wund besoffen. Geh hin mit mir, auch deine Zeit ist um. Und jetzt wollen wir hoffen, dass ein Wunder geschieht.



