NARRATIVE
„In Salzburg ist oft eine Macht bestimmend gewesen, die keine wirklichen Ziele hatte, außer denen, die man immer schon vorher kannte, es waren Ziele, die die Festspiele sich selbst gesteckt hatten, und die Gründer hatten sich damit selbst zu einer Autorität gemacht, über die lang niemand hinwegkommen konnte, bis sie selbst weggekommen waren […].“
aus: Elfriede Jelinek: Der Fluss-Galopp. In: Landesmann, Hans / Rohde, Gerhard (Hg.): Salzburger Festspiele 1992-2001. Bd. 2. Wien: Zsolnay 2001, S. 144-147, S. 144.
Das Kapitel NARRATIVE untersucht die Selbstbeschreibungen, Programmatiken und Außenbilder der Salzburger Festspiele von der Gründung bis zur Gegenwart. Im Zentrum steht die Frage, als was sich die Festspiele jeweils verstehen und nach außen inszenieren: als Ort kultureller Repräsentation, österreichischer Identitätsstiftung, künstlerischer Exzellenz, Traditionsbewahrung oder gesellschaftlicher Öffnung.
Dabei wird geprüft, ob und wie Gender in diesen Selbstbildern vorkommt – oder gerade nicht vorkommt. Von den Gründungsschriften, in denen Vorstellungen von Identität, Gemeinschaft und kultureller Sendung formuliert wurden, bis zu späteren Berufungen auf Tradition, Kanon und Festspielidee fragt das Kapitel nach Leerstellen, Verschiebungen und Infragestellungen. Besonders relevant sind dabei eurozentrische, nationalkulturelle und männlich geprägte Erzählungen, die das Selbstverständnis der Festspiele lange mitbestimmt haben.
Das Kapitel analysiert, welche Narrative die Festspiele selbst stabilisieren, wann sie verändert oder kritisch befragt wurden und welche Rolle Frauen, Gender und Diversität darin spielen. Sichtbar wird so, ob Gender als programmatisches Anliegen erscheint, nur punktuell aufgegriffen wird oder strukturell randständig bleibt. NARRATIVE fragt damit nach den Gründen, Funktionen und Wirkungen jener Selbstbilder, über die die Salzburger Festspiele ihre öffentliche Bedeutung herstellen.








