
JELINEK, ELFRIEDE
„Es wird in Salzburg eben alles vom Feinsten geboten, und das ist unerträglich, penetrant. Ich bin einfach immer noch zu links für diese Höchstklasse, diesen Gipfel des Elitären.“
aus: Zoglauer, Franz: Ich bin eine Komponistin! In: Parnass 2/1998, S. 94-97, S. 96.
Bild: Wikimedia Commons: CC Ghuengsberg
| GEBURTSDATUM: | 20.10.1946 in Mürzzuschlag, Österreich |
| 6.9.2024 in Bad König, Deutshland | |
| FUNKTION(EN) BEI DEN SALZBURGER FESTSPIELEN: | Autorin |
| JAHR(E) DER TÄTIGKEIT BEI DEN SALZBURGER FESTSPIELEN: | 1998, 2003, 2005 |
| GND: | 119001802 |
Elfriede Jelinek ist eine österreichische Schriftstellerin.
Schon während der Volksschule besuchte sie das Wiener Konservatorium, wo sie Orgel, Klavier, Blockflöte und Komposition studierte, und schloss das Studium der Orgel 1971 mit sehr gutem Erfolg ab.
Parallel dazu begann Jelinek ab 1964 ein Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien, das sie jedoch zugunsten ihrer literarischen Arbeit unterbrach. Bereits in den 1960er-Jahren veröffentlichte sie erste Gedichte, unter anderem ihren ersten Lyrikband Lisas Schatten (1967). In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Hörspiele, Essays und Theaterstücke, wie z. B. wir sind lockvögel baby(1970), Die Liebhaberinnen (1975) oder der FernsehfilmRamsau am Dachstein (1976).
1974 heiratete sie den Musiker Gottfried Hüngsberg, trat der KPÖ bei und engagiert sich bis heute politisch.
Ab 1979 veröffentlichte Jelinek zahlreiche Theatertexte, etwa ihr Theaterdebüt Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte, das 1979 beim steirischen Herbst uraufgeführt wurde, oder Clara S., uraufgeführt 1982 an den Bühnen der Stadt Bonn.
Seit den 1980er-Jahren etablierte sich Jelinek als eine der bedeutendsten Dramatikerinnen Österreichs. Ihre Stücke wieRaststätte oder Sie machen’s alle (1994), Ein Sportstück (1998), Das Werk (2003) oder Babel (2005) wurden an Bühnen im deutschsprachigen Raum uraufgeführt und sorgten häufig für Kontroversen. Stilistisch kennzeichnen ihre Texte eine dichte Sprachkritik, Collagen aus Zitaten und Medienfragmenten sowie eine radikale Aufdeckung gesellschaftlicher Machtmechanismen.
2004 wurde Elfriede Jelinek mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
In den folgenden Jahren war sie weiterhin literarisch aktiv. Ihre Stücke werden heute weltweit aufgeführt. Neben ihrem dramatischen Werk betreibt sie seit den 1990er-Jahren auch eine eigene Website, auf der sie Essays, politische Kommentare und Texte veröffentlicht.
Sie wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Nestroy-Theaterpreis für ihr Lebenswerk (2021) sowie 2024 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich. Seit 2023 ist sie Ehrenbürgerin der Stadt Wien.
Elfriede Jelinek ist bei den Salzburger Festspielen vor allem durch ihre Einladung als „Dichterin zu Gast“ im Jahr 1998 sowie durch (Ur-)Aufführungen eigener Stücke vertreten. 1998 fand ein umfangreiches Programm statt, das Texte, Vorträge und die Uraufführung von er nichts als er (zu, mit Robert Walser) umfasste.
Im Jahr 2022 fand im Rahmen des interdisziplinären Symposiums Kapital.Geschlecht, veranstaltet vom Interuniversitären Forschungsverbund Elfriede Jelinek der Universität Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien sowie dem Elfriede Jelinek-Forschungszentrum in Kooperation mit den Salzburger Festspielen (12. August) und dem Literaturarchiv Salzburg (13.–14. August), eine Lesung von Jelineks Essay Frauen sind unfrei und eben: Verhandlungsmasse. Konkursmasse durch Mavie Hörbiger statt. Zudem wurde in diesem Rahmen ein Kurzfilm aus Jelineks Stück Über Tiere gezeigt.
Für das Jahr 2026 ist sie mit der Lesung Winterreise im Salzburger Landestheater sowie mit der Uraufführung ihres Dramas Unter Tieren auf der Perner Insel in Hallein im Festspielprogramm vertreten.
1998
26.7.
Hommage an Elfriede Jelinek
Mit: Therese Affolter, Annemarie Düringer, Annette Paulmann, Ivan Nagel, Peter Turrini, Markus Hinterhäuser
Veranstaltungsort: Landestheater
2.8.
Reise durch Jelineks Kopf
Lesungen, Horrorfilme, Musik, Performances, Modenschau
Inszenierung: Stefan Bachmann, Heimrad Bäcker, Wolfgang Maria Bauer, Neda Bei, Jasper Brandis, Margarita Broich, Sibylle Canonica, Lisa D., Bernhard Echte, Peter Fitz, Elfride Gerstl, Matthias Günther, André Jung, Imogen Kogge, Wenka von Mikulicz, Josef Ostendorf, Uwe Preuß,Tilman Raabke, Christoph Schlingensief, Wolfgang Siuda, Sissi Tax, Axel Werner, Jossi Wieler
Ort: Landestheater, Kammerspiele, Ballettsaal, Marionettentheater
Premiere: 2.8.
1.-15.8.
Elfriede Jelinek: er nichts als er
Inszenierung: Jossi Wieler (Uraufführung)
Veranstaltungsort: Elisabethbühne
Premiere: 1.8., 8 Vorstellungen
9.8.
Jelineks Wahl I (Dichterin zu Gast)
„wer ist denn schon bei sich zu haus“
Robert Walser, Friedrich Glauser
Lesung: Bruno Ganz
Veranstaltungsort: Landestheater
16.8.
Jelineks Wahl II (Dichterin zu Gast)
„wer ist denn schon bei sich“
Hölderlin/Scardanelli, Georg Trakl, Werner Schwab, Ernst Herbeck
Lesung: Martin Schwab
Veranstaltungsort: Landestheater
23.8
Jelineks Wahl III (Dichterin zu Gast)
„wer ist denn schon zu hause“
Paul Celan, Imre Kertész, Danilo Kiš, Binjamin Wilkomirski
Lesung: Hans-Michael Rehberg
Veranstaltungsort: Landestheater
30.8
Jelineks Wahl IV (Dichterin zu Gast)
„wer denn dann?“
Konrad Bayer, Sylvia Plath, Walter Serner, Unica Zürn
Lesung: Angela Winkler, Martin Wuttke
Veranstaltungsort: Landestheater
2003
17. und 18.8.
Elfriede Jelinek: Macht nichts
Inszenierung: Jossi Wieler (Gastspiel des Schauspielhauses Zürich)
Veranstaltungsort: Perner-Insel, Hallein, 2 Vorstellungen
2004
29.-30.8.
Elfriede Jelinek: Das Werk (im Rahmen der Serie The winner is…)
Inszenierung: Nicolas Stemann (Gastspiel des Wiener Burgtheaters)
Ort: Landestheater, 2 Vorstellungen
2005
21.8.
Elfriede Jelinek (Dichterin zu Gast)
Lesung aus: Elfriede Jelinek: Die Kinder der Toten
Inszenierung: Martin Kušej
Mit: Susana Fernandes Genebra, Gerhard Peilstein, Sophie Rois, Martin Schwab, Elisabeth Schwarz
Veranstaltungsort: Landestheater
2022
12.-14.8.
Interdisziplinäres Symposium KAPITAL.GESCHLECHT
Christian Arseni, Ruth Beckermann, Klaus Bertisch, Barbara Beyer, Elisabeth Bronfen, Anke Charton, Uta Degner, Carolin Emcke, Karoline Exner, Lydia Haider, Xenia Hausner, Andrea Heinz, Bettina Hering, Lisz Hirn, Mavie Hörbiger, Robert Hoffmann, Pia Janke, Juliette Mars, Karita Mattila, Manfred Mittermayer, Sylvie Rohrer,
Hanna Schwarz, Jennifer Weiss
Interuniversitärer Forschungsverbund Elfriede Jelinek der Universität Wien und der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien mit dem Elfriede Jelinek-Forschungszentrum
Ort: Universität Mozarteum, Solitär; Literaturarchiv Salzburg;
- Bartsch, Kurt: Elfriede Jelinek. Graz, Wien: Droschl 1991.
- Dröscher-Teille, Mandy: Autorinnen der Negativität. Essayistische Poetik der Schmerzen bei Ingeborg Bachmann, Marlene Streeruwitz, Elfriede Jelinek. Paderborn: W. Fink 2018.
- Gürtler, Christa: Elfriede Jelinek als „Dichterin zu Gast“ bei den Salzburger Festspielen. In: Janke, Pia (Hg.): JederMann – Keine Frau?. Wien: Praesens Verlag 2024 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 27), S. 368-375
- Jelinek, Elfriede: Elfriede Jelinek. 3. Aufl., Neufassung. München: Ed. text + kritik 2007.
- Lützeler, Paul Michael: Elfriede Jelinek. Tübingen: Stauffenburg 2006.
- N. N.: 20. Oktober 1946 – Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek wird geboren.https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-elfriede-jelinek-100.html (24.2.2026), datiert mit 10.10.2021.
- N. N.: Biobibliographische Notiz. https://www.nobelprize.org/prizes/literature/2004/jelinek/25219-biobibliographische-notiz-2004/ (24.2.2026).
- N. N.: Elfriede Jelinek. https://www.festwochen.at/elfriede-jelinek-2 (24.2.2026), datiert mit 2024.
- N. N.: Elfriede Jelinek feiert 65. Geburtstag. https://muk.ac.at/artikel/elfriede-jelinek-feiert-65-geburtstag.html(24.2.2026), datiert mit 20.10.2011.



