Community Manifest
Festspiel Academy 2025
1.
Ich fordere und wünsche eine moderne, echte, lebendige, weibliche und vielfältige Auseinandersetzung mit dem Traditionsstück JEDERMANN. Ich wünsche mir ein Kaleidoskop an Stimmen und Formaten. Die sich nicht nur an Verkaufszahlen, Öffentlichem Prestige und Prominenz ausrichten. Ich fordere eine echte inhaltliche, künstlerische und weibliche Handschrift. Ich wünsche mir OPEN LABS und SPOKENWORDS Formate für Künstlerinnen, die hier bisher nicht sichtbar waren. Ich wünsche mir einen Talentcampus, der nicht altersgenormt ist, sondern frei zugänglich. Ich fordere echte Kreativität und lebendigen Austausch innerhalb eines hochpreisigen und patriarchalen Systems. Ich wünsche mir, dass ich mein künstlerisches Konzept einreichen kann und genauso gehört werde wie all die, die hier eingeladen worden sind und mich heute nicht hören. Noch nicht!
2.
ich fordere von den festspielen ganz einfach:
GLEICHBERECHTIGUNG!
3.
Durch kreatives Denken und Handeln entsteht Kunst jeglicher Art, sie ist wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und der Kultur und verbindet die Menschen auf gleichberechtigter Basis.
Sie ist Ergebnis unabhängigen Schaffens einzelner Personen.
Die Sicherung deren Lebensgrundlagen kann oft nicht marktlogisch verankert werden.
So ist sie nur durch gesellschaftliche und solidarische Unterstützung möglich. Daraus ergibt sich eine gleichberechtigte Situation.
Bei den Salzburger Festspielen (SF) sind Männer als Gestalter und auch als Protagonist (wenn möglich) öfter Vertreten und vor allem als Urheber von Musik, Theater und Literatur dominant.
Deshalb fordern wie sowohl für die Programmgestaltung als auch für die Aufführungspraxis eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen. Zum Erreichen schlagen wir vor, dass die finanzielle Unterstützung der SF, egal ob öffentlich oder privat, von Zusagen dafür abhängig gemacht wird.
Auch das Publikum, jede einzelne Person, sollte bei der Auswahl ihres Kaufverhaltens dies bedenken.
Auch unter dem Gesichtspunkt, dass Urheberinnen und Ausführende selbstverständlich die gleichen künstlerischen-ästhetischen Kriterien erfüllen.
Unser Ziel ist eine Aktionsplattform mit konkreten Verpflichtungen zur Unterstützung der Präsenz kreativer Frauen und ihrer Gleichstellung mit Männern.
Ein Fahrplan für die Gleichstellung der Geschlechter ist notwendig, um kreativen Frauen und dem Schaffen von Frauen Sichtbarkeit zu verleihen.
Wir sind der festen Überzeugung, dass die Umsetzung der Forderungen unseres Manifestes die gesellschaftliche und qualitative Aufwertung der SF hervorbringen wird und somit, wie Eingangs beschrieben, das Kunstschaffen der Frauen bei gleicher Abgeltung Ihnen eine menschenwürdige Existenz ermöglicht.
Um das zu fördern, müssen auch in Berichten über die SF, gleichgültig worauf bezogen und auf welche Art, auf diese Gleichberechtigung in Ihren Veröffentlichungen hinweisen. Sie kommen dadurch ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen besser nach.
Wir freuen uns auf die Verwirklichung!
4.
Wo ist sie – eine neue Sprache der Dringlichkeit
Der Aufmerksamkeit
abseits der Ausrufe bei Antritts-Pressekonferenzen
eine Überholspur, Traditionen störend
jenseits des Gängigen, Respekt verweigernd
eine Sprache des ungebetenen Gastes
im Widerspruch zu Trägheit, Klassismus und Hierarchien
Nation, Identität, Erhabenheit störend
Und Bequemlichkeit
Wo ist sie – die Rede der ungeliebten Geduldeten
erfahren in der Ablehnung, und desto hartnäckiger
denn Festspiele, sagt der Bundespräsident, haben einen enormen Wert für unser Land.
Aber. Welche Werte werden da geschöpft, geschaffen?
In enormen Luxus.
Gleichstellung, Diversität, Empathie, Diskursfähigkeit, Inklusion?
welche erhoben?
Unevaluiert die Sponsoren nach ethischen Parametern, nach der Entstehung des Reichtums.
Wer zahlt? wer zahlt doppelt – wenn die SALZBURG AG mit ihren Eigentumsverhältnissen der öffentlichen Hand zu den Sponsoren zählt?
Salzburg – wo die Weltpolitik sich einfindet,
vertreten von einer österreichischen Diplomatie, wo #Metoo als kriminelle Tat sanktionslos bleibt, und ein Rundschreiben darum bittet keine pornographischen Sprüche zu klopfen und keine unanständigen Poster aufzuhängen!
Sanktionslos.
Festspiele, in denen den Theatermachern der Skandal,
die Freude an der Feindschaft zugestanden,
der Skandal der Übergriffe jedoch mit keiner Silbe erwähnt in den Nachrufen.
Kunst kann Kompass sein – beim Entwickeln von Lösungen, sagt der Kulturminister.
Ein Kompass, dem die Richtungen fehlen.



