Interview mit der Frauenbeauftragten Mag. Alexandra Schmidt

1. Das Frauenbüro hat mit Projekten wie „Frauenspuren“ und „Frauen in der Salzburger Musikgeschichte“ wichtige Beiträge zur Sichtbarmachung von Frauengeschichte geleistet. Sind in Zukunft weitere Projekte geplant – etwa zur Aufarbeitung und Würdigung von Künstler*innen?

Das Projekt „Frauenspuren“ wurde Anfang 2025 mit drei weiteren Gedenktafeln weitergeführt. Neu ist die Tafel für Lilli Lehmann, die Tafel für Barbara Krafft wurde erneuert – zwei Künstlerinnen also. Auch weitere frauenspezifische Führungen sind angedacht, diesmal eher in den Stadtteilen, eventuell sogar mehrsprachig.

2. Inwiefern sehen Sie in der Geschichte und Programmatik der Salzburger Festspiele Nachholbedarf in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit – und gibt es bereits Überlegungen, hier durch Beiträge Impulse zu setzen?

Als private begeisterte Kunstinteressierte: Joanna Mallwitz war großartig als erste Operndirigentin – sie musste sich allerdings in Corona beweisen, hatte also immer noch eine höhere Hürde zu nehmen als erste Frau. Insgesamt gibt es viele gute Ansätze, zB auch die inhaltlich so tollen und hochkarätig besetzten Symposien der Freunde der Salzburger Festspiele und natürlich von Olga Neuwirth bis Stefanie Reinsperger viele Feministinnen als Akteurinnen. Natürlich gibt es dennoch viel Nachholbedarf. Die Salzburger Festspiele sind Teil einer weitgehend patriarchal strukturierten Gesellschaft – und das auch noch international. Dennoch: spannend wären moderne Antworten auf Fragen der Täterperspektiven oder der Care Arbeit von Männern oder noch mehr Geschlechterrollenvielfalt bei den männlich gelesenen Figuren. Was mich betrifft, kann da gar nicht genuggetan werden. Auch ein Awareness Konzept, vor allem auch ein Schutzkonzept hausintern würde den Festspielen gut zu Gesicht stehen – wie ist das Bewusstsein und der Umgang mit Übergriffen im Unternehmen, und bei den Acts, von der Technik bis zu den Künstler:innen?

3. In welchen Bereichen der Stadt Salzburg sehen Sie aktuell noch Verbesserungspotential hinsichtlich der derzeitigen Situation von Frauen?

Hier auch abseits von Kulturthemen, richtig? Jedenfalls in der Täterarbeit beim Gewalt-Thema, außerdem in der besseren Aufteilung von Care-Arbeit, in der extrem eingeschränkten Geschlechterrollen-Vielfalt bei Männern, nach wie vor bei der Teilhabe am Erwerbsleben von Frauen mit dem Ziel, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, unabhängig und frei von Gewalt.

4. Welche positiven Veränderungen konnten Sie in den vergangenen Jahren im Hinblick auf die Gleichstellung feststellen?

Auch hier abseits vom Kulturschwerpunkt: Die verpflichtende 6-stündige Beratung von Weggewiesenen Personen, das stärkere Bewusstsein für die Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit und mehr Bestrebungen für eine bessere Situation, die gute Beratungsinfrastruktur mit vielen spezialisierten Anlauf- und Beratungsstellen, dass der Pay-Gap bei vollzeitbeschäftigten Frauen doch langsam aber sicher merklich kleiner wird, zumindest in den Ballungsräumen, Pflegearbeit als Schwerstarbeit anzuerkennen, die Präsenz von Frauen in den Qualitätsmedien wie Ö1 oder auch in Qualitätszeitungen.